Veröffentlicht: 5. September 2025|Aktualisiert: 5. September 2025|Medizinisch geprüft von Almedina Berisha, Ärztin Innere Medizin
Von Dr. med. Jens Westphal

Von Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt ersetzt keine medizinische Beratung. Bei unklaren oder starken Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Dieser Beitrag richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Fachpersonen, die eine verständliche, evidenzbasierte Übersicht zur Kyphose suchen. Er erklärt Ursachen, konservative und operative Behandlungsprinzipien sowie konkrete Übungen zur Verbesserung von Haltung und Schmerzen. Die dargestellten Empfehlungen orientieren sich an aktuellen Studien und Übersichtsarbeiten; individuelle Therapieentscheidungen sind ärztlich und physiotherapeutisch abzuklären. Bei neu auftretenden neurologischen Symptomen oder schweren Schmerzen ist sofortige Abklärung notwendig.

Was ist Kyphose?

Als Kyphose bezeichnet man eine vermehrte Krümmung der Wirbelsäule nach hinten, typischerweise im Brustkorbabschnitt (Thorax). Eine leichte Kyphose ist normal; von Hyperkyphose spricht man, wenn die Rundung ausgeprägt ist und Funktion oder Schmerz verursacht. Ursachen können angeborene Fehlbildungen, Wachstumsstörungen wie Morbus Scheuermann, Osteoporose mit Wirbelkörperfrakturen, traumatische Deformitäten oder reine Haltungsprobleme sein. Die Diagnose wird durch klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren (Röntgen, ggf. MRT/CT) durch Fachpersonen gestellt; nur so lassen sich strukturelle von funktionellen Formen unterscheiden.

Weiterlesen: Dr. Arian Hoffmann – Vorstellung des medizinischen Reviewers und Gründe, weshalb ärztliche Beurteilung wichtig ist.

Evidenzbasierte Übungsprinzipien

Konservative Therapie ist bei den meisten Kyphosen der erste Schritt: spezifische Kräftigung der Rückenmuskulatur, Haltungsschulung, Atemarbeit und manuelle Mobilisationen können Schmerzen reduzieren und die Haltung verbessern. Eine randomisierte Studie zeigt, dass gezielte thorakale manuelle Therapie die thorakale Kyphose verringern und die Schulterfunktion verbessern kann1. Operative Eingriffe sind indiziert, wenn konservative Maßnahmen versagen oder neurologische Einschränkungen, progressive Deformität oder instabile Frakturen vorliegen; eine systematische Übersichtsarbeit dokumentiert verbesserte Achs- und Lebensqualitätsparameter nach chirurgischer Korrektur, aber auch höhere Komplikationsraten2.

ℹ️Tipp:

Beginnen Sie mit einfachen Kräftigungsübungen in schmerzfreien Bereichen (z. B. isometrische Rumpfstreckung) und steigern Sie Umfang und Intensität allmählich 2–3× pro Woche.

Wichtige Prinzipien im Überblick:

  • Progressive Kräftigung: Fokus auf thorakalen Extensoren (oberflächliche und tiefe Rückenmuskeln) und Rumpfstrecker.
  • Haltungslenkung: Üben einer aufrechten Kopf- und Brustposition, ergonomische Anpassungen im Alltag und Arbeitsplatz.
  • Atem- und Mobilitätstraining: Tiefe Atemzüge fördern thorakale Extension und verbessern automatische Haltungsreflexe.
  • Manuelle Techniken: gezielte thorakale Mobilisation kann ergänzend die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen reduzieren1.

Extensionstraining zur Entlastung der Brustwirbelsäule

  1. Ausgangsposition: auf dem Bauch liegend, Stirn auf den Händen.
  2. Mit Händen leicht am Kopf anheben, Oberkörper bewusst in Wirbelsäulen-Extension führen, Schultern zurückziehen.
  3. Atmung: ruhig einatmen in der Ausgangsposition, beim Anheben ausatmen und kurz halten.
  4. Dauer/Wiederholungen: 3 Sätze × 10–15 Wiederholungen, 3× pro Woche.
  5. Progression: Hände hinter den Kopf, aufgerichtet länger halten (5–10 s).
  6. Abbrechen wenn: zunehmende Neurologenzeichen, stärkere Schmerzen oder Schwindel.

Weiterlesen: Medizinischer Review – Warum Inhalte vor Veröffentlichung geprüft werden und wie dies die Qualität der Empfehlungen verbessert.

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Schritt-für-Schritt-Übungen

Die folgenden Übungen sind praxisnah beschrieben (Ausführung, Dosierung, Progression). Beginnen Sie langsam; bei akuten Schmerzen oder unsicherer Diagnose zuerst mit der Ärztin/dem Arzt bzw. Physiotherapeutin/Physiotherapeuten abklären.

1. Thorakale Extension am Gymnastikball

Ausführung: Bauch auf dem Ball, Füße am Boden, Hände hinter den Kopf. Oberkörper bewusst in die Extension bringen, Schulterblätter zusammenziehen, Position 2–3 Sekunden halten. Dosierung: 3 Sätze × 10 Wiederholungen, 3× pro Woche. Progression: länger halten, höhere Wiederholungszahl. Abbrechen wenn Schmerzen in der Wirbelsäule oder Neurologisches auftreten.

2. Schulterblatt-Kontrolle (Retraktion)

Ausführung: Sitzend oder stehend, Arme seitlich, Schultern nach hinten und unten ziehen, Schulterblätter zusammenführen, 5–8 s halten. Dosierung: 3 Sätze × 12 Wiederholungen, täglich. Ziel: Haltungsverbesserung bei posturaler Kyphose.

3. Rumpfstreckung isometrisch

Ausführung: Auf dem Bauch, Stirn am Boden, Hände neben dem Körper, Oberkörper minimal anheben ohne Schmerzen, 10 s halten. Dosierung: 3 Sätze × 8 Wiederholungen, 3× pro Woche. Progression durch längeres Halten. Abbrechen wenn stärkere Rückenschmerzen auftreten.

4. „Brustkorb öffnen“ mit Theraband

Ausführung: Theraband vor dem Körper halten, mit gestreckten Armen auseinanderziehen und Schulterblätter zusammenziehen. Dosierung: 3 Sätze × 15 Wiederholungen, 3× pro Woche. Hilft, die Rückenmuskulatur gegen nach vorne gerichtete Belastung zu stärken.

5. Mobilisation der Brustwirbelsäule – Katze/Kuh modifiziert

Ausführung: Vierfüsslerstand, bewusstes Hohlkreuz (Extension) und Rundrücken (Flexion) langsam wechseln, jeweils 5–8 Wiederholungen. Dosierung: 2 Sätze × 10 Zyklen, täglich. Gut zur Verbesserung der Segmentbeweglichkeit.

ℹ️Tipp:

Bei Schmerzen mit ausstrahlenden Symptomen zuerst langsam dosieren: 1 Satz × 8–10 Wdh. pro Übung und täglich kurze Einheiten statt langer Sitzungen.

Weiterlesen: Schmerztherapie Lösungen – Ergänzende Optionen bei chronischen Schmerzen und Hilfestellung bei der Therapieplanung.

Sicherheit & Kontraindikationen

Vor Beginn eines Übungsprogramms sollte abgeklärt werden, ob strukturelle Ursachen (z. B. instabile Frakturen, Tumoren, Infektionen) vorliegen. Patientinnen und Patienten mit Osteoporose benötigen oft eine abgestufte Belastungssteigerung und ggf. ärztliche Freigabe für intensive Mobilisationen oder Belastungen. Bei entzündlichen Erkrankungen oder neu aufgetretenen neurologischen Ausfällen ist eine rasche Abklärung notwendig. Instrumentierte Stabilisierung oder komplexe Rekonstruktionen werden bei fortschreitender, symptomatischer Deformität und neurologischer Beteiligung in Betracht gezogen; systematische Übersichten zeigen, dass Operationen Alignment und Lebensqualität verbessern können, jedoch mit erhöhtem Komplikationsrisiko2.

Bei posttraumatischen und postoperativen Kyphosen stehen komplexe operative Techniken wie die posterior vertebral column resection (PVCR) zur Verfügung; Kohorten zeigen gute Korrekturresultate, aber relevantem Operationsrisiko3. Bei osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen können minimalinvasive Verfahren wie Kyphoplastie schmerzlindernd wirken und eine gewisse Rekonstruktion der Höhe bieten; die Korrektur ist aber teils begrenzt und Studien variieren in ihren Ergebnissen4.

Wann zum Arzt

Sofortige Abklärung bei folgenden Symptomen

  • Neu aufgetretene Lähmungen oder Kraftminderung
  • Taubheitsgefühl im Genital-/Sattelbereich
  • Blasen- oder Darmfunktionsstörungen
  • Fieber oder starker nächtlicher Schmerz
  • Akutes Trauma, starker lokaler Schmerz oder Tumor-/Infektverdacht

Weiterlesen: Ibuprofen Anwendung – Informationen zur symptomatischen Schmerzbehandlung und sichere Dosierung in der Schweiz.

Häufige Fehler & Mythen

Mythos 1: „Eine Kyphose lässt sich nur operativ korrigieren.“ Falsch — viele funktionelle und moderate strukturelle Kyphosen sprechen gut auf konservative Therapie mit Physiotherapie, Training und Haltungsänderung an; Operationen sind für schwere, progressive oder neurologisch relevante Fälle reserviert. Mythos 2: „Rückenstrecker-Übungen verschlechtern die Kyphose.“ Richtig dosierte Extension und Kräftigung unterstützen die Haltung und reduzieren Schmerzen; falsch ausgeführt oder bei unbehandelter Fraktur jedoch kontraindiziert.

ℹ️Tipp:

Konzentrieren Sie sich auf Technik statt Intensität: langsame, kontrollierte Bewegungen verhindern Kompensationen und reduzieren das Risiko von Überlastung.

Weiterlesen: Paracetamol Wirkung – Vergleichende Informationen zu Schmerzmitteln als Ergänzung zur physikalischen Therapie.

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Almedina Berisha, Ärztin Innere Medizin

Lizenzierte Ärztin

Almedina Berisha ist als Ärztin für Allgemeine Innere Medizin Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In ihrer Rolle erstellt sie medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Almedina Berisha, Ärztin Innere Medizin

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Geprüft: September 5, 2025

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