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Live Resin ist ein Cannabiskonzentrat, das sich durch seinen besonders hohen Terpengehalt und sein vollständiges Aromaprofil auszeichnet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Extrakten wird Live Resin aus frisch gefrorenem Pflanzenmaterial hergestellt, wodurch die flüchtigen Terpene erhalten bleiben, die bei der traditionellen Trocknung und Aushärtung verloren gehen.[1] Dieser Artikel erklärt die Herstellungsverfahren, die wissenschaftlichen Grundlagen und die Bedeutung des Terpenprofils aus einer rein informativen Perspektive.
Was ist Live Resin
Live Resin ist ein Konzentrat, das aus frisch geernteten und sofort tiefgefrorenen Cannabisblüten gewonnen wird. Der Begriff «Live» bezieht sich darauf, dass das Pflanzenmaterial in einem «lebendigen» Zustand verarbeitet wird — das heisst, ohne den üblichen Trocknungs- und Fermentierungsprozess durchlaufen zu haben.[6] Dieser Ansatz bewahrt das natürliche Terpenprofil der lebenden Pflanze weitgehend intakt.
Analytische Studien zeigen, dass herkömmliche Trocknungsverfahren zu einem Verlust von 55 bis 95 Prozent der Monoterpene führen können — jener flüchtigen Verbindungen, die massgeblich für das Aroma und möglicherweise für pharmakologische Synergieeffekte verantwortlich sind.[3] Live Resin umgeht diesen Verlust durch die sofortige Kryokonservierung nach der Ernte.
Herstellungsverfahren
Die Herstellung von Live Resin folgt einem spezifischen Prozess, der sich in mehrere Schritte gliedert:
Kryokonservierung: Unmittelbar nach der Ernte werden die Cannabisblüten auf Temperaturen von -40 Grad C bis -80 Grad C schockgefroren. Dies stoppt enzymatische Abbauprozesse und verhindert die Verdunstung flüchtiger Terpene.[1] Die Kühlkette muss bis zur Extraktion aufrechterhalten werden.
Extraktion: Die eigentliche Extraktion erfolgt typischerweise mit Kohlenwasserstoff-Lösungsmitteln (Butan, Propan oder Gemische davon) bei niedrigen Temperaturen. Die Kälteextraktion minimiert die Mitextraktion unerwünschter Verbindungen wie Chlorophyll und Wachse.[1] Alternative Verfahren umfassen die überkritische CO2-Extraktion, die jedoch tendenziell weniger Terpene erhält als Kohlenwasserstoff-Methoden.[3]
Reinigung und Aufbereitung: Nach der Extraktion wird das Lösungsmittel unter Vakuum bei niedrigen Temperaturen entfernt. Die schonende Verarbeitung bei Temperaturen unter 40 Grad C ist entscheidend, um die thermisch empfindlichen Monoterpene zu erhalten.[9] Das Endprodukt hat typischerweise eine goldgelbe bis bernsteinfarbene Konsistenz, die von flüssig-sirupartig bis fest-kristallin variieren kann.
Lösungsmittelfreie Alternativen: Neuere Forschung hat auch lösungsmittelfreie Techniken zur Herstellung terpenreicher Konzentrate entwickelt. Mudge et al. (2021) beschreiben eine innovative Methode, die mechanischen Druck und Kälte kombiniert, um Cannabinoide und Terpene ohne chemische Lösungsmittel zu extrahieren.[6] Diese Verfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung für den medizinischen Bereich.
Terpene – die Aromastoffe der Cannabispflanze
Terpene sind eine grosse Klasse organischer Verbindungen, die in vielen Pflanzen vorkommen und für deren charakteristische Aromen verantwortlich sind. Cannabis produziert über 200 verschiedene Terpene, wobei die Zusammensetzung je nach Sorte (Chemovar), Anbaubedingungen und Erntezeitpunkt variiert.[4]
Die häufigsten Terpene in Cannabis sind Myrcen (erdiges, moschusartiges Aroma), Limonen (Zitrusaroma), Linalool (blumig-lavendelartig), Beta-Caryophyllen (pfeffrig-würzig) und Alpha-Pinen (kiefernartig).[4] Metabolomische Analysen zeigen, dass das Terpenprofil ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Cannabis-Chemovaren darstellt — oft wichtiger als der reine THC- oder CBD-Gehalt.[10]
Terpene sind nicht nur Aromastoffe — sie besitzen eigenständige biologische Aktivitäten. Nuutinen (2018) fasst in einer umfassenden Übersichtsarbeit die pharmakologischen Eigenschaften zusammen: Myrcen zeigt analgetische und entzündungshemmende Wirkungen, Limonen hat anxiolytische Eigenschaften, Linalool wirkt sedierend und Beta-Caryophyllen interagiert mit dem Endocannabinoid-System über den CB2-Rezeptor.[5]
Der Entourage-Effekt
Der «Entourage-Effekt» ist eine Hypothese, die besagt, dass die verschiedenen Inhaltsstoffe der Cannabispflanze — Cannabinoide, Terpene und Flavonoide — synergistisch zusammenwirken und sich gegenseitig in ihrer Wirkung modulieren.[7] Russo (2011) beschrieb in einer einflussreichen Übersichtsarbeit verschiedene potenzielle Synergien zwischen Phytocannabinoiden und Terpenen.
Beispielsweise könnte Myrcen die Blut-Hirn-Schranke für andere Verbindungen durchlässiger machen, Limonen könnte die Absorption über die Schleimhäute verbessern, und Beta-Caryophyllen könnte über seine CB2-Agonist-Aktivität entzündungshemmende Effekte verstärken.[7] Es ist wichtig zu betonen, dass der Entourage-Effekt bisher hauptsächlich auf präklinischen Daten und theoretischen Überlegungen basiert — robuste klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
Namdar et al. (2021) untersuchten die Ko-Produktion von Terpenoiden und Phytocannabinoiden in Cannabis und fanden komplexe Zusammenhänge zwischen den Biosynthesewegen beider Substanzklassen.[8] Dies unterstreicht, dass das Gesamtprofil einer Cannabispflanze mehr ist als die Summe seiner Einzelbestandteile.
Qualitätskontrolle und analytische Methoden
Die Qualitätssicherung von Cannabiskonzentraten erfordert umfassende analytische Verfahren. Calvi et al. (2018) entwickelten ein Protokoll zur umfassenden Qualitätsbewertung, das Cannabinoid-Profiling, Terpen-Analyse, Schwermetallbestimmung, Pestizid-Screening und mikrobiologische Prüfung umfasst.[2]
Für die Terpenanalyse werden typischerweise Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) und Headspace-Analyse eingesetzt. Diese Methoden ermöglichen die Identifizierung und Quantifizierung einzelner Terpene und können als Qualitätsmarker für die Bewertung von Extraktionsverfahren dienen.[2] Restlösungsmittel-Analysen sind bei Kohlenwasserstoff-Extrakten obligatorisch, um die Sicherheit des Endprodukts zu gewährleisten.
Innovative Aufbereitungsmethoden für medizinische Cannabisöle werden ebenfalls intensiv erforscht. Ternelli et al. (2020) beschreiben verschiedene Verfahren, die darauf abzielen, standardisierte Produkte mit reproduzierbaren Cannabinoid- und Terpenprofilen herzustellen.[9]
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
In der Schweiz unterliegen Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt über 1 Prozent dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG). Seit 2022 ist der Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtert — eine ärztliche Verschreibung genügt, eine Ausnahmebewilligung des BAG ist nicht mehr erforderlich. Konzentrate wie Live Resin fallen unter dieselben regulatorischen Rahmenbedingungen wie andere THC-haltige Produkte.
CBD-haltige Produkte mit weniger als 1 Prozent THC sind in der Schweiz legal erhältlich. Für den medizinischen Einsatz von THC-haltigen Konzentraten ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Die Qualitätsanforderungen für medizinische Cannabisprodukte werden durch die Pharmacopoea Helvetica und die Swissmedic-Vorgaben definiert.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet Live Resin von anderen Konzentraten?
Sind Terpene sicher?
Ist der Entourage-Effekt wissenschaftlich bewiesen?
Wann zum Arzt
Wenn Sie sich für den medizinischen Einsatz von Cannabisprodukten interessieren, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Eine qualifizierte medizinische Beratung ist unerlässlich, um festzustellen, ob eine Cannabistherapie in Ihrem Fall angemessen ist, welche Darreichungsform geeignet wäre und wie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden können.
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Quellen
- 1 Lazarjani, M. P., et al. (2021). Processing and extraction methods of medicinal cannabis: A narrative review. Journal of Cannabis Research, 3(1), 32. →
- 2 Calvi, L., et al. (2018). Comprehensive quality evaluation of medical Cannabis sativa L. inflorescence and macerated oils. Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis, 150, 208–219. →
- 3 Sexton, M., et al. (2018). Evaluation of cannabinoid and terpenoid content: Cannabis flower compared to supercritical CO2 concentrate. Planta Medica, 84(4), 234–241. →
- 4 Sommano, S. R., et al. (2020). The cannabis terpenes. Molecules, 25(24), 5792. →
- 5 Nuutinen, T. (2018). Medicinal properties of terpenes found in Cannabis sativa and Humulus lupulus. European Journal of Medicinal Chemistry, 157, 198–228. →
- 6 Mudge, E. M., et al. (2021). Novel solventless extraction technique to preserve cannabinoid and terpenoid profiles of fresh cannabis inflorescence. Molecules, 26(18), 5496. →
- 7 Russo, E. B. (2011). Taming THC: Potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364. →
- 8 Namdar, D., et al. (2021). Terpenoid and phytocannabinoid co-production in Cannabis sativa. Industrial Crops and Products, 167, 113516. →
- 9 Ternelli, M., et al. (2020). Innovative methods for the preparation of medical Cannabis oils. Molecules, 25(21), 5070. →
- 10 Milay, L., et al. (2020). Metabolomic analysis of Cannabis sativa L. inflorescences from THC-dominant and CBD-dominant chemotypes. Industrial Crops and Products, 155, 112761. →

