Veröffentlicht: 25. Mai 2026|Aktualisiert: 25. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

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Die Beziehung zwischen Migräne und Ernährung ist komplex und individuell verschieden. Während bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser (Trigger) für Migräneattacken gelten, können gezielte Ernährungsstrategien die Häufigkeit und Schwere der Anfälle reduzieren. Eine systematische Übersichtsarbeit identifizierte Fasten und Alkohol als die häufigsten ernährungsbedingten Trigger bei 44 bzw. 27 Prozent der Betroffenen.[1] Dieser Artikel fasst die aktuelle Evidenz zu Nahrungsmitteltriggern und therapeutischen Diätansätzen zusammen.

Häufige Nahrungsmittel-Trigger

Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke werden von Migränepatienten regelmässig als Auslöser identifiziert. Die wissenschaftliche Evidenz variiert jedoch stark zwischen den einzelnen Substanzen. Zu den am häufigsten berichteten Triggern gehören Alkohol (insbesondere Rotwein), Schokolade, gereifter Käse, koffeinhaltige Getränke, Zitrusfrüchte und Lebensmittel mit Mononatriumglutamat (MSG).[4]

Die Identifikation individueller Trigger ist methodisch anspruchsvoll, da Migräneattacken oft multifaktoriell ausgelöst werden. Ein einzelnes Nahrungsmittel führt selten isoliert zu einer Attacke — vielmehr spielen kumulative Faktoren wie Schlafmangel, Stress und hormonelle Schwankungen zusammen.[3] Zudem kann die Prodromalphase einer Migräne selbst Heisshunger auf bestimmte Lebensmittel (z. B. Schokolade) auslösen, was fälschlicherweise als Trigger interpretiert wird.

Biogene Amine und Tyramin

Biogene Amine wie Tyramin, Histamin und Phenylethylamin sind natürlich vorkommende Substanzen in fermentierten und gereiften Lebensmitteln. Tyramin entsteht durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Tyrosin und findet sich in hohen Konzentrationen in gereiftem Käse, Räucherfisch, Sauerkraut und bestimmten Wurstwaren.[4]

Die Hypothese, dass Tyramin Migräne auslöst, basiert auf seiner vasoaktiven Wirkung — es kann die Freisetzung von Noradrenalin stimulieren und zu einer Vasokonstriktion mit anschliessender reaktiver Vasodilatation führen. Die klinische Evidenz ist jedoch uneinheitlich. Während einige Studien einen Zusammenhang zeigen, konnten andere keinen signifikanten Effekt nachweisen.[7] Histamin, das in Rotwein, Fischkonserven und fermentierten Lebensmitteln vorkommt, wird ebenfalls als potenzieller Trigger diskutiert.

Alkohol und Koffein

Alkohol ist der am besten belegte ernährungsbedingte Migränetrigger. Rotwein wird besonders häufig genannt, wobei nicht allein der Alkoholgehalt, sondern auch Inhaltsstoffe wie Tannine, Sulfite und Histamin eine Rolle spielen könnten.[1] Alkohol wirkt vasodilatatorisch, hemmt die antidiuretische Hormonausschüttung (was zu Dehydration führt) und beeinflusst die Serotoninfreisetzung — alles Mechanismen, die eine Migräneattacke begünstigen können.

Die Beziehung zu Koffein ist ambivalent. In moderaten Mengen kann Koffein die Wirkung von Schmerzmitteln verstärken und wird in einigen Akutmedikamenten eingesetzt. Übermässiger Konsum oder abrupter Entzug kann jedoch selbst Kopfschmerzen auslösen.[3] Regelmässigkeit im Koffeinkonsum scheint wichtiger zu sein als die absolute Menge.

Fasten und Mahlzeitenregelmässigkeit

Fasten und das Auslassen von Mahlzeiten gehören zu den am häufigsten berichteten Migränetriggern. In der systematischen Übersicht von Hindiyeh et al. berichteten 44 Prozent der Migränepatienten Fasten als Auslöser — mehr als bei jedem einzelnen Nahrungsmittel.[1] Der Mechanismus ist wahrscheinlich multifaktoriell und umfasst Hypoglykämie, Dehydration und Stresshormonausschüttung.

Regelmässige Mahlzeiten mit stabilen Blutzuckerspiegeln sind daher eine der einfachsten und am besten belegten Ernährungsstrategien zur Migräneprophylaxe. Komplexe Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischem Index sorgen für eine gleichmässige Energieversorgung des Gehirns.[7] Auch ausreichende Flüssigkeitszufuhr spielt eine wichtige Rolle, da Dehydration ein bekannter Trigger ist.

Evidenzbasierte Diätstrategien

Mehrere Diätansätze wurden in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit bei Migräne untersucht:

Fettarme Ernährung: Eine randomisierte Studie zeigte, dass eine Reduktion der Fettzufuhr auf unter 20 Gramm pro Tag die Migränehäufigkeit signifikant senken kann.[8] Eine weitere Studie bestätigte, dass eine lipidreduzierte Diät sowohl die Frequenz als auch die Schwere akuter Attacken reduziert.[9]

Pflanzliche Ernährung: Eine randomisierte Crossover-Studie von Bunner et al. untersuchte eine fettarme, pflanzliche Ernährung kombiniert mit einer Eliminationsdiät. Die Intervention führte zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzintensität und der Attackendauer.[2]

Eliminationsdiät: Bei der IgG-basierten Eliminationsdiät werden Nahrungsmittel, gegen die erhöhte IgG-Antikörper nachgewiesen werden, für einen definierten Zeitraum gemieden. Einige Studien zeigen positive Effekte, die Methodik ist jedoch umstritten.[5]

Ketogene Diät: Die sehr kohlenhydratarme, fettreiche ketogene Ernährung zeigt in Beobachtungsstudien vielversprechende Ergebnisse bei der Migräneprophylaxe. Der Mechanismus könnte über eine verbesserte mitochondriale Funktion und eine Reduktion neuroinflammatorischer Prozesse wirken.[5]

Omega-3-Fettsäuren und Nahrungsergänzung

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) haben entzündungshemmende Eigenschaften und wurden in mehreren Studien zur Migräneprophylaxe untersucht. Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien ergab, dass Omega-3-Supplementierung die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneattacken signifikant reduzieren kann.[10]

Weitere Nährstoffe mit potenziell schützender Wirkung umfassen Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10. Magnesium ist an der neuromuskulären Signalübertragung beteiligt und ein Mangel wird bei Migränepatienten häufig beobachtet.[3] Die Supplementierung sollte jedoch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Verarbeitete Lebensmittel und Zusatzstoffe

Verarbeitete Lebensmittel enthalten häufig Substanzen, die als Migränetrigger diskutiert werden. Dazu gehören Mononatriumglutamat (MSG), Nitrate und Nitrite (in Wurstwaren), künstliche Süssstoffe (insbesondere Aspartam) und bestimmte Konservierungsmittel.[6] Eine aktuelle Studie zeigte, dass der häufige Konsum von verarbeitetem Fleisch und Konserven mit verstärkten Migränesymptomen assoziiert ist.

Die Evidenz für einzelne Zusatzstoffe als Migränetrigger ist jedoch oft auf Fallberichte und kleine Studien beschränkt. Grosse kontrollierte Studien fehlen für die meisten Substanzen.[1] Ein pragmatischer Ansatz ist die Führung eines Ernährungstagebuchs über mehrere Wochen, um individuelle Zusammenhänge zu identifizieren.

Praktische Empfehlungen

Basierend auf der aktuellen Evidenz lassen sich folgende praktische Empfehlungen ableiten: Regelmässige Mahlzeiten einhalten und kein Frühstück auslassen, ausreichend Wasser trinken (mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich), Alkohol — insbesondere Rotwein — reduzieren oder meiden, den Koffeinkonsum konstant halten und nicht abrupt ändern, eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Fisch und Olivenöl bevorzugen und ein Ernährungstagebuch führen, um individuelle Trigger zu identifizieren.[7]

Es ist wichtig zu betonen, dass übermässig restriktive Diäten kontraproduktiv sein können. Eine zu strenge Eliminierung von Nahrungsmitteln ohne klare Evidenz kann zu Nährstoffmängeln und einer verminderten Lebensqualität führen.[1] Die Ernährungsumstellung sollte schrittweise und idealerweise mit fachlicher Begleitung erfolgen.

Wann zum Arzt

Eine ärztliche Beratung ist empfehlenswert, wenn Migräneattacken trotz Ernährungsumstellung häufiger als vier Mal pro Monat auftreten, wenn neue oder ungewöhnliche Kopfschmerzmuster entstehen, wenn Alltagsaktivitäten regelmässig eingeschränkt sind oder wenn eine umfassende Ernährungsberatung gewünscht wird. Ein Neurologe kann zudem medikamentöse Prophylaxeoptionen besprechen.

Häufig gestellte Fragen

Kann eine Ernährungsumstellung Migräne heilen?

Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist durch Ernährung allein nicht möglich. Studien zeigen jedoch, dass gezielte Diätstrategien die Häufigkeit und Schwere der Attacken signifikant reduzieren können.[5]

Wie lange dauert es, bis eine Diätumstellung wirkt?

In den meisten Studien zeigten sich Effekte nach 4 bis 12 Wochen konsequenter Umsetzung. Geduld und Konsequenz sind entscheidend.[2]

Ist Schokolade wirklich ein Migränetrigger?

Die Evidenz ist widersprüchlich. Kontrollierte Studien konnten den Zusammenhang nicht konsistent bestätigen. Möglicherweise wird Heisshunger auf Schokolade in der Prodromalphase fälschlicherweise als Trigger interpretiert.[4]

Hilft ein Ernährungstagebuch wirklich?

Ja, ein detailliertes Tagebuch über mindestens 8 Wochen kann helfen, individuelle Muster zu erkennen. Es sollte neben Nahrungsmitteln auch Schlaf, Stress und den Menstruationszyklus dokumentieren.[1]

Welche Nahrungsergänzungsmittel sind bei Migräne sinnvoll?

Magnesium (400–600 mg/Tag), Riboflavin (400 mg/Tag), Coenzym Q10 (100–300 mg/Tag) und Omega-3-Fettsäuren haben in Studien positive Effekte gezeigt. Die Einnahme sollte ärztlich begleitet werden.[10]

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10 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Hindiyeh, N. A., Zhang, N., Farrar, M., et al. (2020). The role of diet and nutrition in migraine triggers and treatment: a systematic literature review. Headache, 60(7), 1300–1316.
  2. 2 Bunner, A. E., Agarwal, U., Engelman, J. F., et al. (2014). Nutrition intervention for migraine: a randomized crossover trial. The Journal of Headache and Pain, 15(1), 69.
  3. 3 Gazerani, P. (2020). Migraine and diet. Nutrients, 12(6), 1658.
  4. 4 Rockett, F. C., de Oliveira, V. R., Castro, K., et al. (2012). Dietary aspects of migraine trigger factors. Nutrition Reviews, 70(6), 337–356.
  5. 5 Roldán-Ruiz, A., et al. (2025). Effects of dietary interventions in patients with migraine: a systematic review. Nutrition Reviews, 83(7), e1815.
  6. 6 Fayed, A. G. I., et al. (2024). The correlation between the frequent intake of dietary triggers and clinical features of migraine. Scientific Reports, 14, 54339.
  7. 7 Razeghi Jahromi, S., Ghorbani, Z., Martelletti, P., et al. (2019). Association of diet and headache. The Journal of Headache and Pain, 20(1), 106.
  8. 8 Bic, Z., Blix, G. G., Hopp, H. P., et al. (1999). The influence of a low-fat diet on incidence and severity of migraine headaches. Journal of Women’s Health & Gender-Based Medicine, 8(5), 623–630.
  9. 9 Ferrara, L. A., Pacioni, D., Di Fronzo, V., et al. (2015). Low-lipid diet reduces frequency and severity of acute migraine attacks. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases, 25(4), 370–375.
  10. 10 Maghsoumi-Norouzabad, L., Mansoori, A., Abed, R., & Shishehbor, F. (2016). Effects of omega-3 fatty acids on the frequency, severity, and duration of migraine attacks: a systematic review and meta-analysis. Nutritional Neuroscience, 21(9), 614–623.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Geprüft: May 25, 2026

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