Veröffentlicht: 28. Mai 2026|Aktualisiert: 28. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

Inhaltsverzeichnis

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Lebererkrankungen, Morbus Crohn und anhaltende Übelkeit zählen in der Schweiz zu den häufigsten Gründen für eine gastroenterologische oder hepatologische Abklärung. Obwohl sie unterschiedliche Organe und Mechanismen betreffen, überschneiden sich Symptome und Untersuchungswege oft so stark, dass eine sorgfältige Differentialdiagnostik entscheidend ist. Eine Fettleber kann sich jahrelang stumm entwickeln, ein Morbus Crohn beginnt nicht selten mit unspezifischen Bauchschmerzen und chronische Übelkeit wird häufig auf «Magen-Darm» verkürzt, obwohl Ursachen vom Innenohr bis zum Stoffwechsel reichen können.[1]

Dieser Pillar-Artikel ordnet die drei Krankheitsbilder ein, beschreibt die etablierten Diagnostik- und Therapiepfade nach Schweizer und internationalen Leitlinien (SGG-SSG, EASL, ECCO, DGVS) und zeigt, wann eine Selbsthilfe sinnvoll ist und wann ein Termin bei der Fachärztin oder dem Facharzt unverzichtbar wird.

Auf einen Blick

  • Die nicht-alkoholische Fettleber wurde 2023 international in MASLD (metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung) umbenannt und betrifft rund einen Viertel der Erwachsenen.
  • Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit schubweisem Verlauf. Die Stufentherapie reicht von 5-ASA über Steroide bis zu Biologika und JAK-Inhibitoren.
  • Übelkeit ist ein Symptom, keine Diagnose. Die Ursachen reichen von gastroenterologischen über vestibuläre bis zu medikamentösen oder schwangerschaftsbedingten Auslösern.
  • Alarmsymptome wie Bluterbrechen, Teerstuhl, Ikterus, ungewollter Gewichtsverlust oder Aszites erfordern eine rasche ärztliche Abklärung.

Lebererkrankungen verstehen und behandeln

Die Leber erfüllt über 500 metabolische Funktionen: Sie entgiftet, produziert Gerinnungsfaktoren, speichert Vitamine und reguliert den Zucker- und Fettstoffwechsel. Erkrankungen entwickeln sich häufig schleichend, weil das Organ über grosse funktionelle Reserven verfügt. Erst bei fortgeschrittener Schädigung treten Symptome wie Müdigkeit, Druckgefühl im rechten Oberbauch, Ikterus (Gelbsucht) oder Wasseransammlungen auf.[2]

Die häufigsten Formen

Vier Krankheitsbilder dominieren die hepatologische Praxis in der Schweiz und im westlichen Europa:

Form Mechanismus Schlüsseldiagnostik
MASLD (vormals NAFLD) Fetteinlagerung in Hepatozyten bei metabolischem Syndrom, Adipositas, Typ-2-Diabetes oder Dyslipidämie. Übergang in Steatohepatitis (MASH) und Fibrose möglich.[2] Sonografie, Transiente Elastographie (FibroScan), FIB-4-Score.
Alkohol-assoziierte Lebererkrankung Steatose, Hepatitis, Fibrose und Zirrhose durch chronischen Alkoholkonsum, oft mit überlappendem metabolischem Profil.[3] Anamnese, GGT, MCV, AST/ALT-Quotient, Elastographie.
Virale Hepatitis B und C Chronische Infektion mit HBV oder HCV, die über Jahre Fibrose und Zirrhose verursachen kann. HCV ist heute durch direkt antivirale Substanzen (DAA) in über 95 Prozent der Fälle heilbar.[4] HBsAg, Anti-HCV, HCV-RNA, HBV-DNA, Genotyp.
Autoimmun-Hepatitis Chronische Entzündung durch Autoantikörper gegen Lebergewebe, häufig bei Frauen, oft mit weiteren Autoimmunerkrankungen assoziiert. ANA, SMA, LKM-1, IgG, Leberbiopsie.

MASLD: die neue Nomenklatur

Im Juni 2023 hat ein internationales Expertengremium die Bezeichnung NAFLD durch MASLD (Metabolic dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) ersetzt. Der Wechsel war kein kosmetischer Schritt: Die neue Definition stellt das metabolische Risiko (mindestens ein kardiometabolischer Faktor wie Adipositas, Diabetes, Hypertonie oder Dyslipidämie) ins Zentrum und verzichtet auf den stigmatisierenden Begriff «nicht-alkoholisch».[2] Für die klinische Praxis bedeutet das: Patientinnen und Patienten mit Steatose werden stärker im Gesamtkontext ihres kardiovaskulären Risikos beurteilt, nicht isoliert als Leberfall.

Diagnostik in der Praxis

Die Basisabklärung beginnt mit den klassischen Leberwerten (ALT, AST, GGT, alkalische Phosphatase, Bilirubin) sowie Syntheseparametern (Albumin, Quick/INR). Erhöhte Transaminasen sind häufig, aber unspezifisch. Bei verdächtigen Konstellationen folgen serologische Tests (Hepatitisviren, Autoantikörper, Ferritin, Coeruloplasmin) und Bildgebung.[5]

Die transiente Elastographie (FibroScan) hat sich als nicht-invasive Methode zur Beurteilung der Lebersteifigkeit etabliert und ersetzt in vielen Fällen die Leberbiopsie. Der FIB-4-Index, ein einfach berechenbarer Score aus Alter, ALT, AST und Thrombozyten, erlaubt eine erste Risikoeinschätzung für eine fortgeschrittene Fibrose und steht jeder Hausärztin und jedem Hausarzt zur Verfügung.

Therapie nach Krankheitsform

  • MASLD/MASH: Gewichtsreduktion um 7 bis 10 Prozent, mediterrane Ernährung, körperliche Aktivität und Behandlung der Begleiterkrankungen. Resmetirom wurde 2024 in den USA als erste spezifische Substanz für MASH zugelassen. In der Schweiz prüft Swissmedic die Verfügbarkeit; bis dahin gelten Lifestyle und kardiometabolische Optimierung als Therapie der ersten Wahl.[6]
  • Alkohol-assoziierte Leberkrankung: Konsequente Abstinenz ist der wichtigste therapeutische Schritt und beeinflusst die Prognose stärker als jedes Medikament. Begleitend werden suchtmedizinische Betreuung und Ernährungstherapie eingesetzt.
  • Hepatitis B: Bei behandlungsbedürftiger Konstellation werden Nukleos(t)id-Analoga (Entecavir, Tenofovir) langfristig eingesetzt. Eine Heilung bleibt selten, die Virussuppression jedoch dauerhaft möglich.
  • Hepatitis C: Direkt antivirale Substanzen (DAA) erreichen über 95 Prozent Heilung in 8 bis 12 Wochen. Die Schweiz hat 2022 die Limitatio für HCV-Therapien aufgehoben; alle Betroffenen können behandelt werden.[4]
  • Autoimmun-Hepatitis: Glukokortikoide (Prednison) in der Akutphase, gefolgt von Azathioprin als Langzeit-Immunsuppression. Die Therapie wird hepatologisch begleitet.

Prävention und Impfung

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung grundsätzlich für alle Kinder und Jugendlichen im Rahmen des Schweizerischen Impfplans, ergänzt durch Nachholimpfungen bei Erwachsenen mit Risikoexposition. Die Hepatitis-A-Impfung wird bei Reisen in Endemiegebiete und für bestimmte Berufsgruppen empfohlen. Lebensstilfaktoren wie alkoholarmer Konsum, Bewegung, mediterrane Ernährung und ein gesundes Körpergewicht senken das Risiko für MASLD und Alkoholfolgen substantiell.

Morbus Crohn: chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Morbus Crohn gehört zusammen mit Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die Prävalenz in der Schweiz liegt bei etwa 200 pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohnern; das IBDnet Switzerland koordiniert Versorgung und Forschung landesweit. Charakteristisch ist die diskontinuierliche, transmurale Entzündung, die jeden Abschnitt des Magen-Darm-Trakts vom Mund bis zum Anus betreffen kann, am häufigsten jedoch das terminale Ileum.[7]

Abgrenzung zu Colitis ulcerosa

Beide Erkrankungen verlaufen schubweise, unterscheiden sich aber in Lokalisation, Histologie und Therapieansprechen. Colitis ulcerosa beschränkt sich auf den Dickdarm und betrifft nur die Schleimhaut, während Morbus Crohn alle Wandschichten und beliebige GI-Abschnitte betreffen kann. Fisteln, Abszesse und Stenosen sind typische Crohn-Komplikationen, die bei Colitis ulcerosa kaum auftreten.

Symptome und Diagnostik

Die Symptompalette ist breit: chronische Bauchschmerzen (häufig rechter Unterbauch), Diarrhö (teils blutig), Gewichtsverlust, Fieber, Müdigkeit und perianale Beschwerden. Extraintestinale Manifestationen betreffen Gelenke (Arthritis, Sakroiliitis), Haut (Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum), Augen (Uveitis) und Leber (primär sklerosierende Cholangitis).

Die Diagnose stützt sich gemäss ECCO-Leitlinien auf eine Kombination aus klinischer Beurteilung, Labor (Entzündungswerte, fäkales Calprotectin), Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien, Histologie und Bildgebung (MR-Enterografie, in Akutsituationen CT).[8] Fäkales Calprotectin hat sich als nicht-invasiver Aktivitätsmarker etabliert und wird zur Verlaufsbeurteilung genutzt.

Die Stufentherapie

Die medikamentöse Therapie wird nach Krankheitsaktivität, Lokalisation und Risikoprofil individualisiert. Aktuelle ECCO-Empfehlungen und Schweizer IBDnet-Standards setzen zunehmend auf eine frühe, aggressive Therapie bei Hochrisikopatientinnen und -patienten (Top-down-Strategie), um irreversible Strukturschäden zu vermeiden.[8]

Stufe Wirkstoffklassen und Beispiele Typischer Einsatz
Basismedikation 5-Aminosalicylate (Mesalazin) bei milder Kolonbeteiligung, beim klassischen Crohn nur begrenzte Evidenz. Leichte Aktivität, eingeschränkt empfohlen.
Steroide Budesonid (ileozökal wirksam, geringe systemische Wirkung), Prednison bei ausgedehntem Befall. Akuter Schub, kurzfristig.
Immunmodulatoren Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat. Remissionserhaltung, steroidsparend.
Biologika (Anti-TNF) Infliximab, Adalimumab, Certolizumab. Moderate bis schwere Aktivität, Fisteln.
Biologika (Anti-Integrin / Anti-IL) Vedolizumab (selektiv darmwirksam), Ustekinumab (Anti-IL-12/23), Risankizumab (Anti-IL-23). Anti-TNF-Versagen, Komorbidität.
Small Molecules (JAK-Inhibitoren) Upadacitinib (für Crohn zugelassen), orale Einnahme, rascher Wirkeintritt.[9] Nach Biologika-Versagen, definierte Risikoprofile.

Ernährung und ergänzende Massnahmen

Eine ausgewogene, mangelfreie Ernährung gehört zum Standard. Exklusive enterale Ernährung (EEN) mit Trink- oder Sondennahrung über 6 bis 8 Wochen ist bei Kindern und Jugendlichen gemäss ESPGHAN-Empfehlungen Therapie der ersten Wahl im Schub und gleichwertig wirksam wie Kortikosteroide.[10] Bei Erwachsenen kann sie als ergänzende Therapieoption eingesetzt werden. Die Crohn’s Disease Exclusion Diet (CDED) wird zunehmend untersucht und kann in bestimmten Konstellationen unterstützend wirken.

Eisen-, Vitamin-B12-, Vitamin-D- und Zinkmangel sind häufig und sollten gezielt substituiert werden. Rauchstopp ist beim Morbus Crohn besonders wichtig: Rauchen verdoppelt das Schubrisiko und beschleunigt die Progression.

Schwangerschaft

Eine gut kontrollierte Erkrankung bietet die besten Voraussetzungen für eine komplikationsarme Schwangerschaft. Viele Therapien (Mesalazin, Azathioprin, Anti-TNF) sind während der Schwangerschaft mit kontinuierlichem Monitoring fortführbar. Methotrexat ist kontraindiziert und muss spätestens drei Monate vor einer geplanten Konzeption abgesetzt werden. Die Betreuung erfolgt interdisziplinär zwischen Gastroenterologie und Geburtshilfe.

Chirurgische Optionen

Etwa die Hälfte aller Crohn-Patientinnen und -Patienten benötigt im Krankheitsverlauf einen chirurgischen Eingriff, häufig wegen Stenosen, Fisteln oder Abszessen. Moderne minimal-invasive Verfahren, sparsame Resektionen und Strikturoplastiken stehen im Vordergrund. Eine Operation ist keine Heilung, kann aber Lebensqualität und Symptomkontrolle deutlich verbessern. Die Indikation wird interdisziplinär an einem CED-Board festgelegt.

Chronische und akute Übelkeit

Übelkeit ist ein Symptom mit zahlreichen möglichen Ursachen, kein eigenständiges Krankheitsbild. Akute Übelkeit dauert unter sieben Tagen und ist meist auf eine virale Gastroenteritis, Medikamenteneinnahme oder Schwangerschaft zurückzuführen. Chronische Übelkeit besteht länger als vier Wochen und verlangt eine systematische Abklärung.[11]

Differentialdiagnose

Kategorie Typische Ursachen
Gastroenterologisch Gastroparese, funktionelle Dyspepsie, Reflux, Magenausgangsstenose, Cholezystitis, Pankreatitis, Hepatitis, mechanische Obstruktion.
Neurologisch / vestibulär Migräne, Hirndruck, Schädelhirntrauma, Morbus Menière, Vestibularis-Neuritis, Kinetose.
Medikamentös Opioide, NSAR, Antibiotika, Chemotherapeutika, GLP-1-Agonisten, SSRI.
Metabolisch / endokrin Urämie, Hyperkalzämie, diabetische Ketoazidose, Addison-Krise, Hyperthyreose.
Schwangerschaft Hyperemesis gravidarum, klassische Frühschwangerschafts-Übelkeit.
Psychogen / funktionell Angststörungen, Essstörungen, chronisches Erbrechen-Syndrom (CVS), Rumination.

Diagnostischer Algorithmus

Der erste Schritt ist eine sorgfältige Anamnese: Dauer, Tageszeit (morgendlich bei Schwangerschaft, postprandial bei Gastroparese), begleitende Schmerzen, Medikation, Reisen, Substanzkonsum, neurologische Symptome. Eine fokussierte körperliche Untersuchung schliesst Dehydratation, abdominelle Pathologien und neurologische Defizite aus.

Basislabor (Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte, Glukose, TSH, beta-HCG bei Frauen im gebärfähigen Alter), gegebenenfalls Schwangerschaftstest, Magenspiegelung bei Verdacht auf strukturelle Ursachen, MRT/CT bei neurologischen Hinweisen. Bei Verdacht auf Gastroparese kann eine Magenentleerungs-Szintigraphie erfolgen.

Evidenzbasierte medikamentöse Therapie

Antiemetikum-Klasse Wirkmechanismus und Beispiele Bevorzugte Indikation
5-HT3-Antagonisten Ondansetron, Granisetron. Blockade serotoninerger Rezeptoren im Brechzentrum. Chemotherapie, postoperativ, Gastroenteritis.
Dopamin-Antagonisten Metoclopramid, Domperidon. Wirken zentral und prokinetisch. Gastroparese, funktionelle Dyspepsie.
H1-Antihistaminika Dimenhydrinat, Meclozin. Kinetose, vestibuläre Ursachen.
NK1-Antagonisten Aprepitant, Fosaprepitant. Chemotherapie-induzierte verzögerte Übelkeit.
Pyridoxin und Doxylamin Kombinationspräparat, gut untersucht. Schwangerschafts-Übelkeit, erste Wahl.

Nicht-pharmakologische Optionen

Ingwer (in Form von Tee, Kapseln oder kandiert) zeigt in mehreren Meta-Analysen eine moderate antiemetische Wirkung, insbesondere in der Frühschwangerschaft und postoperativ. Üblich sind 1 bis 1,5 Gramm pro Tag.[12] Akupressur am Punkt P6 (Nei Guan, drei Querfinger unter der Handgelenksbeuge) wird in der Onkologie und Schwangerschaft eingesetzt; die Evidenz ist heterogen, das Sicherheitsprofil aber günstig. Kleine, häufige Mahlzeiten, kohlenhydratreiche Snacks vor dem Aufstehen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Vermeidung starker Gerüche ergänzen die Standardtherapie.

Bei chronischer therapierefraktärer Übelkeit lohnt sich ein interdisziplinärer Ansatz mit Gastroenterologie, Neurologie, Psychosomatik und Ernährungsberatung. Ergänzende Therapieoptionen wie Hypnotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie können in ausgewählten Konstellationen den Therapieerfolg verbessern.

Wann zum Arzt

Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist in folgenden Situationen erforderlich:

  • Bluterbrechen (Hämatemesis) oder kaffeesatzartiges Erbrechen.
  • Teerstuhl (Melaena) oder sichtbares Blut im Stuhl.
  • Ikterus (Gelbfärbung von Haut oder Augen), dunkler Urin, entfärbter Stuhl.
  • Ungewollter Gewichtsverlust über fünf Prozent in sechs Monaten.
  • Persistierende Übelkeit über mehr als eine Woche oder mit Dehydratation.
  • Aszites (Bauchwasser), beidseitige Beinödeme oder rasch zunehmender Bauchumfang.
  • Fieber über 38,5 °C in Verbindung mit Bauchschmerzen oder Diarrhö über drei Tage.
  • Neu aufgetretene Verdauungsbeschwerden nach dem 50. Lebensjahr oder familiäre Belastung mit Darmkrebs, CED oder Lebererkrankungen.

Erste Anlaufstelle ist in der Schweiz die Hausarztpraxis. Bei Verdacht auf hepatologische oder gastroenterologische Erkrankungen erfolgt die Überweisung an eine FMH-Fachärztin oder einen FMH-Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie. Die Schweizerische Gesellschaft für Gastroenterologie (SGG-SSG) und das IBDnet Switzerland bieten Patientinneninformationen und qualifizierte Behandlerverzeichnisse. Die Kostenübernahme erfolgt im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung gemäss KVG-Leistungskatalog; spezifische Biologika und neuere Substanzen werden über Limitatio oder Kostengutsprache geregelt.

Praktische Schritte für den Alltag

  • Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung: Hausärztin oder Hausarzt bitten, Leberwerte und einen FIB-4-Score zu erheben.
  • Hepatitis-B-Impfstatus prüfen lassen, besonders vor Auslandaufenthalten oder beruflicher Exposition.
  • Bei chronischer Diarrhö über vier Wochen: fäkales Calprotectin und ein gastroenterologisches Gespräch besprechen.
  • Übelkeit-Tagebuch führen (Zeitpunkt, Auslöser, Begleitsymptome, Medikamente), das beschleunigt die Diagnostik.
  • Alarmsymptome (Blut, Ikterus, Gewichtsverlust, Aszites) sofort abklären lassen.
  • Bei bekannter CED oder chronischer Lebererkrankung: regelmässige Verlaufskontrollen einhalten, auch in Phasen ohne Beschwerden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet die Umbenennung von NAFLD in MASLD für Patientinnen und Patienten?

Die neue Bezeichnung MASLD (metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung) löste 2023 den älteren Begriff NAFLD ab. Inhaltlich rücken die kardiometabolischen Risikofaktoren stärker in den Vordergrund. Für Betroffene bedeutet das eine ganzheitlichere Beurteilung, die Leber, Herz und Stoffwechsel gemeinsam betrachtet.[2]

Ist Hepatitis C heute heilbar?

Ja. Mit direkt antiviralen Substanzen (DAA) werden über 95 Prozent der Infektionen in 8 bis 12 Wochen geheilt. Die Limitatio für die Behandlung wurde in der Schweiz 2022 aufgehoben, sodass grundsätzlich alle Betroffenen Zugang zur Therapie haben.[4]

Wie unterscheidet sich Morbus Crohn von Colitis ulcerosa?

Morbus Crohn kann jeden Abschnitt des Magen-Darm-Trakts betreffen und entzündet alle Wandschichten, während Colitis ulcerosa auf den Dickdarm und die Schleimhaut beschränkt ist. Fisteln, Abszesse und Stenosen treten typischerweise bei Morbus Crohn auf. Die Diagnose stützt sich auf Endoskopie, Histologie und Bildgebung.[7]

Wann werden Biologika bei Morbus Crohn eingesetzt?

Biologika wie Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab, Ustekinumab oder Risankizumab kommen bei moderater bis schwerer Aktivität, Fisteln oder unzureichendem Ansprechen auf Steroide und Immunmodulatoren zum Einsatz. Bei Hochrisikopatientinnen und -patienten wird zunehmend ein früher Einsatz (Top-down-Strategie) empfohlen, um Strukturschäden vorzubeugen.[8]

Welches Antiemetikum ist bei Schwangerschafts-Übelkeit empfohlen?

Erste Wahl ist Pyridoxin (Vitamin B6), gegebenenfalls in Kombination mit Doxylamin. Ingwer kann ergänzend hilfreich sein. Bei schwerer Hyperemesis gravidarum werden weitere Antiemetika nach individueller Risikoabwägung eingesetzt. Eine ärztliche Begleitung ist insbesondere bei Dehydratation oder Gewichtsverlust wichtig.[11]

Was ist der FIB-4-Score?

Der FIB-4-Index ist ein einfach berechenbarer Score aus Alter, Transaminasen (AST, ALT) und Thrombozytenzahl. Er schätzt das Risiko für eine fortgeschrittene Leberfibrose ab und wird in der hausärztlichen Praxis zur ersten Risikostratifizierung bei MASLD und anderen Lebererkrankungen genutzt.[5]

Wie lange darf akute Übelkeit zu Hause beobachtet werden?

Bei jungen, gesunden Erwachsenen ohne Alarmsymptome kann eine akute Übelkeit 24 bis 48 Stunden mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr beobachtet werden. Bei anhaltendem Erbrechen, Dehydratation, starken Schmerzen, Blut im Erbrochenen, neurologischen Symptomen oder bei Risikogruppen (Schwangere, Säuglinge, ältere Personen, chronisch Kranke) sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

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12 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 GBD 2017 Cirrhosis Collaborators. (2020). The global, regional, and national burden of cirrhosis by cause in 195 countries and territories, 1990 to 2017. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 5(3), 245 bis 266.
  2. 2 Rinella, M. E., et al. (2023). A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature. Journal of Hepatology, 79(6), 1542 bis 1556.
  3. 3 European Association for the Study of the Liver (EASL). (2018). EASL clinical practice guidelines: Management of alcohol-related liver disease. Journal of Hepatology, 69(1), 154 bis 181.
  4. 4 European Association for the Study of the Liver (EASL). (2020). EASL recommendations on treatment of hepatitis C: Final update of the series. Journal of Hepatology, 73(5), 1170 bis 1218.
  5. 5 European Association for the Study of the Liver (EASL). (2021). EASL clinical practice guidelines on non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis. Journal of Hepatology, 75(3), 659 bis 689.
  6. 6 Harrison, S. A., et al. (2024). A phase 3, randomized, controlled trial of resmetirom in NASH with liver fibrosis. New England Journal of Medicine, 390(6), 497 bis 509.
  7. 7 Torres, J., et al. (2017). Crohn’s disease. The Lancet, 389(10080), 1741 bis 1755.
  8. 8 Torres, J., et al. (2020). ECCO guidelines on therapeutics in Crohn’s disease: Medical treatment. Journal of Crohn’s and Colitis, 14(1), 4 bis 22.
  9. 9 Loftus, E. V., et al. (2023). Upadacitinib induction and maintenance therapy for Crohn’s disease. New England Journal of Medicine, 388(21), 1966 bis 1980.
  10. 10 van Rheenen, P. F., et al. (2020). The medical management of paediatric Crohn’s disease: An ECCO-ESPGHAN guideline update. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 14(2), 171 bis 194.
  11. 11 Singh, P., Yoon, S. S., & Kuo, B. (2018). Nausea: A review of pathophysiology and therapeutics. BMJ, 361, k1815.
  12. 12 Viljoen, E., et al. (2014). A systematic review and meta-analysis of the effect and safety of ginger in the treatment of pregnancy-associated nausea and vomiting. Nutrition Journal, 13, 20.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Geprüft: May 28, 2026

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