Veröffentlicht: 24. Mai 2026|Aktualisiert: 24. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

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Krebs gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit — im Jahr 2020 wurden global rund 19,3 Millionen neue Krebsfälle diagnostiziert.[1] Die Schweiz verfügt über eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme Europas und bietet Krebspatientinnen und -patienten Zugang zu modernsten Therapien, interdisziplinärer Betreuung und umfassender Unterstützung. Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Behandlungsansätze, supportive Massnahmen und das Schweizer Versorgungssystem für onkologische Erkrankungen.

Überlebensraten und Fortschritte in der Onkologie

Die Krebsmedizin hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt. Die CONCORD-3-Studie — die grösste globale Überlebensanalyse mit über 37 Millionen Patientendaten — zeigt, dass die Fünf-Jahres-Überlebensraten für viele Krebsarten in der Schweiz zu den höchsten weltweit gehören.[6] Besonders bei Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs haben sich die Überlebenschancen deutlich verbessert.

Diese Fortschritte sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen: verbesserte Früherkennung, präzisere Diagnostik, zielgerichtete Therapien und eine zunehmend personalisierte Behandlungsplanung. Die Schweiz investiert zudem stark in klinische Forschung und bietet Patientinnen und Patienten häufig Zugang zu innovativen Therapien im Rahmen klinischer Studien.

Moderne Behandlungsansätze

Die Krebsbehandlung basiert heute auf einem multimodalen Konzept, das verschiedene Therapieformen individuell kombiniert:

Chirurgie bleibt für viele solide Tumoren die primäre Behandlungsoption. Minimalinvasive Techniken und robotergestützte Chirurgie ermöglichen zunehmend präzisere Eingriffe mit weniger Nebenwirkungen und schnellerer Erholung.

Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlung zur Zerstörung von Tumorzellen. Moderne Technologien wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die Protonentherapie ermöglichen eine präzise Bestrahlung des Tumors bei maximaler Schonung des umliegenden Gewebes.

Systemische Therapien umfassen klassische Chemotherapie, zielgerichtete Therapien (Targeted Therapies) und Hormontherapien. Zielgerichtete Therapien greifen spezifische molekulare Veränderungen in Tumorzellen an und zeigen oft weniger Nebenwirkungen als konventionelle Chemotherapie.[2]

Immuntherapie hat die Onkologie in den letzten Jahren revolutioniert. Checkpoint-Inhibitoren, CAR-T-Zelltherapien und therapeutische Impfstoffe nutzen das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Krebszellen.[3] Für bestimmte Tumorarten — wie fortgeschrittenes Melanom oder Lungenkrebs — hat die Immuntherapie die Prognose grundlegend verändert.

Lebensqualität während der Behandlung

Die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität ist ein zentrales Ziel moderner Krebsbehandlung. Studien zeigen, dass die systematische Erfassung von patientenberichteten Symptomen (Patient-Reported Outcomes) während der Behandlung nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern sogar das Gesamtüberleben verlängern kann.[4] Validierte Instrumente wie der FACT-Fragebogen ermöglichen eine standardisierte Erfassung der Lebensqualität.[5]

In der Schweiz setzen viele onkologische Zentren auf ein proaktives Symptommanagement, bei dem Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Fatigue und psychische Belastungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ernährung bei Krebs

Eine adäquate Ernährung spielt eine wichtige Rolle während und nach der Krebsbehandlung. Die ESPEN-Leitlinien zur Ernährung bei Krebspatienten empfehlen eine frühzeitige Ernährungsberatung, da Mangelernährung bei bis zu 80 Prozent der Krebspatienten auftreten kann und mit schlechteren Behandlungsergebnissen assoziiert ist.[8]

Zentrale Ernährungsempfehlungen umfassen eine ausreichende Protein- und Kalorienzufuhr, die Vermeidung von Mangelernährung und eine individualisierte Ernährungsberatung, die Nebenwirkungen der Therapie (wie Übelkeit, Geschmacksveränderungen oder Mukositis) berücksichtigt.[8]

Bewegung und Fatigue-Management

Krebsbedingte Fatigue ist eines der häufigsten und belastendsten Symptome und betrifft bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten während der Behandlung. Eine Meta-Analyse verglich verschiedene Interventionen gegen krebsbedingte Fatigue und zeigte, dass körperliche Aktivität die wirksamste Einzelintervention darstellt — überlegen gegenüber pharmakologischen und psychologischen Ansätzen.[7]

Empfohlen werden moderate aerobe Aktivitäten (z. B. Gehen, Schwimmen, Radfahren) und leichtes Krafttraining, angepasst an den individuellen Gesundheitszustand. Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche können die Fatigue signifikant reduzieren und die Lebensqualität verbessern.

Integrative Onkologie

Integrative Onkologie kombiniert konventionelle Krebsbehandlung mit evidenzbasierten komplementären Therapien. Die gemeinsame Leitlinie von ASCO und der Society for Integrative Oncology empfiehlt bestimmte komplementäre Ansätze als Ergänzung zur Standardtherapie.[9] Dazu gehören:

  • Akupunktur zur Behandlung von Übelkeit und Schmerzen
  • Yoga und Meditation zur Reduktion von Stress und Angst
  • Musiktherapie zur Verbesserung der Stimmung und Lebensqualität
  • Massage zur Linderung von Schmerzen und Anspannung

Wichtig ist, dass komplementäre Therapien die konventionelle Behandlung ergänzen und nicht ersetzen. Patientinnen und Patienten sollten alle komplementären Massnahmen mit ihrem Behandlungsteam besprechen.

Psychoonkologische Unterstützung

Eine Krebsdiagnose stellt eine erhebliche psychische Belastung dar. Leitlinien empfehlen ein systematisches Distress-Screening bei allen Krebspatientinnen und -patienten, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Unterstützung anzubieten.[10] In der Schweiz bieten die meisten onkologischen Zentren psychoonkologische Beratung und Begleitung an.

Professionelle psychoonkologische Unterstützung umfasst Einzelgespräche, Gruppentherapie, Paar- und Familienberatung sowie spezifische Interventionen bei Angst, Depression oder Anpassungsstörungen. Die Kosten werden in der Regel von der Grundversicherung übernommen.

Das Schweizer Versorgungssystem

Die Schweiz verfügt über ein dichtes Netz onkologischer Versorgungsstrukturen. Universitätsspitäler und zertifizierte Tumorzentren bieten interdisziplinäre Tumorboards, in denen Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam den optimalen Behandlungsplan erarbeiten. Die Krebsliga Schweiz und ihre kantonalen Ligen bieten zudem umfassende Beratung, finanzielle Unterstützung und Informationsmaterialien für Betroffene und Angehörige.

Wann zum Arzt

Frühzeitige Abklärung ist bei folgenden Warnsignalen empfohlen: unerklärlicher Gewichtsverlust, anhaltende Müdigkeit, tastbare Knoten oder Schwellungen, ungewöhnliche Blutungen, anhaltender Husten, Veränderungen von Muttermalen oder nicht heilende Wunden. In der Schweiz stehen Vorsorgeuntersuchungen (Mammographie, Darmspiegelung, Hautscreening) als Früherkennungsmassnahmen zur Verfügung.

Häufig gestellte Fragen

Werden alle Krebsbehandlungen von der Krankenkasse übernommen?

In der Schweiz übernimmt die obligatorische Grundversicherung alle medizinisch notwendigen und anerkannten Krebsbehandlungen. Für experimentelle Therapien oder bestimmte Off-Label-Anwendungen können Kostengutsprachen erforderlich sein.

Was ist ein Tumorboard?

Ein Tumorboard ist eine interdisziplinäre Konferenz, in der Onkologen, Chirurgen, Radiologen, Pathologen und weitere Spezialisten gemeinsam den individuellen Behandlungsplan besprechen. In der Schweiz ist dies Standard bei allen komplexen Krebserkrankungen.

Kann Bewegung während der Chemotherapie helfen?

Ja, moderate körperliche Aktivität ist während der Chemotherapie in der Regel sicher und kann Fatigue, Übelkeit und psychische Belastungen reduzieren. Die Intensität sollte individuell angepasst werden.[7]

Wo finde ich psychologische Unterstützung?

Die meisten Schweizer Spitäler mit onkologischer Abteilung bieten psychoonkologische Dienste an. Zusätzlich bietet die Krebsliga Schweiz kostenlose Beratung per Telefon und vor Ort.[10]

Sind Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie sinnvoll?

Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei nachgewiesenem Mangel und in Absprache mit dem Behandlungsteam eingenommen werden. Einige Supplemente können mit Krebsmedikamenten interagieren.[8]

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10 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Sung, H., et al. (2021). Global cancer statistics 2020: GLOBOCAN estimates of incidence and mortality worldwide. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 71(3), 209–249.
  2. 2 Schnipper, L. E., et al. (2015). A conceptual framework to assess the value of cancer treatment options. Journal of Clinical Oncology, 33(23), 2563–2577.
  3. 3 Farkona, S., et al. (2016). Cancer immunotherapy: The beginning of the end of cancer? BMC Medicine, 14, 73.
  4. 4 Basch, E., et al. (2017). Overall survival results of a trial assessing patient-reported outcomes for symptom monitoring during routine cancer treatment. JAMA, 318(2), 197–198.
  5. 5 Cella, D., et al. (2002). What is a clinically meaningful change on the FACT-L questionnaire? Journal of Clinical Epidemiology, 55(3), 285–295.
  6. 6 Allemani, C., et al. (2018). Global surveillance of trends in cancer survival 2000–14 (CONCORD-3). The Lancet, 391(10125), 1023–1075.
  7. 7 Mustian, K. M., et al. (2017). Comparison of pharmaceutical, psychological, and exercise treatments for cancer-related fatigue. JAMA Oncology, 3(7), 961–968.
  8. 8 Arends, J., et al. (2017). ESPEN guidelines on nutrition in cancer patients. Clinical Nutrition, 36(1), 11–48.
  9. 9 Lyman, G. H., et al. (2014). Integrative therapies during and after breast cancer treatment: ASCO endorsement of the SIO clinical practice guideline. Journal of Clinical Oncology, 32(19), 2040–2049.
  10. 10 Holland, J. C., et al. (2013). Distress management. Journal of the National Comprehensive Cancer Network, 11(2), 190–209.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Geprüft: May 24, 2026

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