Veröffentlicht: 17. September 2025|Aktualisiert: 17. September 2025|Medizinisch geprüft von Dr. Britta Massmann
Von Dr. med. Jens Westphal

Von Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt ersetzt keine medizinische Beratung. Bei unklaren oder starken Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Das Psoas‑Syndrom beschreibt Schmerzen und Funktionsstörungen im Bereich des Iliopsoas (tiefer Hüftbeuger), oft mit Leistenschmerz und Bewegungseinschränkungen. Betroffen sind vorwiegend aktive Personen, Sportler und Menschen mit langem Sitzen; die Beschwerden können akut, subakut oder chronisch verlaufen. Ziel dieses Artikels ist, Ursachen, sinnvolle konservative Behandlungsprinzipien und konkrete Übungen verständlich darzustellen. Bei Warnzeichen wie nächtlichen Schmerzen, Fieber oder neurologischen Ausfällen ist eine rasche ärztliche Abklärung nötig.

Der Psoas-Muskel gehört zur Gruppe der Hüftbeuger, weshalb Schmerzen in diesem Bereich oft mit allgemeinen Beschwerden der Hüftbeuger zusammenhängen können – mehr dazu im Überblick zu Hüftbeuger Schmerzen: Ursachen und Behandlung.

Definition

Als Psoas‑Syndrom wird eine Reizung oder Dysfunktion des Musculus iliopsoas (Psoas major und iliacus) bezeichnet; betroffen sein können Sehne, Muskel oder angrenzende Schleimbeutel. Symptome reichen von ziehenden Leistenschmerzen bis zu eingeschränkter Hüftbeugung und Schmerzen beim Aufstehen oder beim Treppensteigen. Für die Diagnostik werden klinische Tests und bei Bedarf bildgebende oder messende Verfahren eingesetzt; neue Studien prüfen auch einfache Messmethoden wie bioelektrische Impedanzanalyse zur Abschätzung der Psoas‑Grösse, z. B. im Screening älterer Personen1.

Weiterlesen: Schmerztherapie Zürich – Informationen zu spezialisierten Angeboten bei chronischen Schmerzen.

Ursachen

Häufige Auslöser sind Überlastung und Fehlbelastung (z. B. bei Kick‑/Sprint‑Sportarten, Tanzen), anhaltende Verkürzung durch viel Sitzen, Triggerpunkte und in einigen Fällen entzündliche Veränderungen der Sehne oder des Schleimbeutels. Schliesslich kann eine strukturelle Veränderung oder Atrophie der Hüftmuskulatur bei Rückenbeschwerden eine Rolle spielen; systematische Übersichten zeigen, dass Patienten mit Rückenschmerzen oft Auffälligkeiten in der Morphologie des Psoas und anderer Hüftmuskeln aufweisen, was Symptome begünstigen kann2.

Read more: Pain therapy in St. Gallen – reasons when interdisciplinary assessment is advisable. Typische Beschwerden umfassen ziehende Schmerzen im unteren Rücken oder Leistenbereich, die sich häufig als Hüftschmerzen bemerkbar machen und sich bei Bewegung verstärken können.

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Evidenzbasierte Übungsprinzipien

Therapieziele sind Schmerzlinderung, Wiederherstellung der Beweglichkeit und gezielter Kraftaufbau. Behandlungsprinzipien umfassen: initiale Schmerzminderung (z. B. manuelle Therapie, myofasziale Techniken), progressive Mobilisation, anschliessend Kräftigung und alltagsnahe Rückkehr zu belastungsbehafteten Aktivitäten. Randomisierte Studien zeigen, dass myofasziale Behandlungstechniken, die auch den Iliopsoas adressieren, bei chronischen Rücken‑/Beckenschmerzen physische und psychische Outcomes verbessern können3.

ℹ️Wichtig:

Übungen und manuelle Techniken sollten bei starken Schmerzen oder neurologischen Symptomen nur unter Fachaufsicht begonnen werden.

Weiterlesen: Pregabalin Wirkung – Informationen zu medikamentösen Optionen bei neuropathischen Beschwerden, falls relevant.

Zu den verwandten muskulären Ursachen von Schmerzen im Becken- und Lendenbereich zählt auch das Piriformis-Syndrom – Übungen und Therapie, das ähnliche Symptome hervorrufen kann.

Schritt-für-Schritt-Übungen

Die folgenden Übungen sind Beispiele für Mobilität und Kräftigung. Vor Beginn 5–10 Minuten aufwärmen (z. B. leichtes Gehen, Mobilisationsübungen). Wenn eine Übung den Schmerz deutlich verschlechtert, abbrechen und fachärztlich abklären.

Übungsablauf

  1. Beurteilung: Schmerzlokalisation, Beweglichkeit prüfen
  2. Aufwärmen: 5–10 Minuten
  3. Mobilisation: sanfte Dehnungen 2×30 s pro Seite
  4. Kräftigung: 3 Sätze × 10–15 Wiederholungen (z. B. Brücke, Einbeinstand mit Hüftbeugung)
  5. Progression: Zusatzgewicht oder instabile Unterlage (optional)
  6. Regelmässigkeit: 3–5× pro Woche
  7. Kontrolle: Schmerzen/Toleranz beobachten
  8. Rückkehr zur Aktivität: schrittweise steigern


Zu den möglichen Begleitbeschwerden im Becken- und Lendenbereich zählen auch Steissbein-Schmerzen – Ursachen und Therapie, die differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden sollten.

Konkrete Übungen (Beispiele):

  • Supine Knie zur Brust (Mobilisation): Rückenlage, ein Knie zur Brust ziehen, 2×30 s pro Seite. Fördert sanfte Entlastung des Psoas.
  • Ausfallschrittdehnung (Stretch): Ein Bein nach hinten, Hüfte nach vorne schieben, 2–3×30 s pro Seite. Keine starken Schmerzen provozieren.
  • Brücke (Kräftigung): Rückenlage, Becken heben, 3×10–15 Wiederholungen. Progression mit einem Bein.
  • Gehen mit aktivierter Hüftbeugung: 2–3×20 Schritte konzentriert auf kontrollierte Hüftbewegung zur Koordination.
  • Ähnliche Beschwerden können auch im unteren Rücken auftreten – weitere Informationen finden Sie auf der Seite zu Schmerzen im unteren Rücken.

Weiterlesen: Ibuprofen Anwendung – Hinweise zur kurzfristigen Schmerzreduktion als Ergänzung zu Physiotherapie. Da ein verkürzter oder verspannter Psoas-Muskel die Beckenstellung beeinflussen kann, sind gezielte Übungen zur Verbesserung der Haltung sinnvoll, wie sie im Artikel zu Lordose Übungen und Therapieansätzen beschrieben werden.

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Sicherheit & Kontraindikationen

Vor Beginn körperlicher Therapie abklären: neurologische Ausfälle (z. B. Sensibilitätsverlust, Lähmungszeichen), systemische Entzündungszeichen (Fieber) oder Hinweise auf strukturelle Schäden. Bei bekannten Herz‑, Leber‑ oder Nierenproblemen sowie bei Einnahme bestimmter Medikamente ärztliche Rücksprache halten, bevor NSAR oder andere Analgetika genutzt werden.

Weiterlesen: Diclofenac Anwendung – Informationen zu Risiken und Anwendungsgrenzen von NSAR.

Wann dringend ärztlich abklären

Bei diesen Zeichen sofort medizinisch untersuchen lassen:

  • Starke, progrediente Leistenschmerzen oder nächtliche Schmerzen
  • Neurologische Ausfälle wie Taubheit, Schwäche im Bein
  • Fieber, starke Rötung oder Schwellung in der Leiste
  • Unklare Gewichtsabnahme oder B-Symptomatik
  • Keine Besserung trotz 2–4 Wochen konsequenter Therapie

Häufige Fehler & Mythen

Mythos: «Nur Dehnen heilt das Psoas‑Syndrom.» Realität: Dehnen kann helfen, ist aber meist nur ein Teil eines kombinierten Programms aus Mobilisation, Kräftigung und Belastungssteuerung. Mythen zu starken Schmerzmitteln: Opioide lösen das Problem nicht langfristig und haben Nebenwirkungen; sie sind in der Regel nicht erste Wahl für muskuläre Beschwerden.

Weiterlesen: Schmerztherapie Winterthur – Überblick zu integrierten Ansätzen und wann spezialisierte Hilfe sinnvoll ist.

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FAQs

Dr. Britta Massmann

Dr. Britta Massmann

Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie (FMH), Schweiz

Dr. med. Britta Massmann ist als Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In ihrer Rolle erstellt sie medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

Medizinisch überprüft

Dr. Britta Massmann

Dr. Britta Massmann

Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie (FMH), Schweiz

Geprüft: September 17, 2025

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