Veröffentlicht: 24. Mai 2026|Aktualisiert: 24. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

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Fussschmerzen gehören zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerden und betreffen bis zu 24–30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.[2] In vielen Fällen steht das getragene Schuhwerk in direktem Zusammenhang mit der Entstehung oder Verschlimmerung von Fussschmerzen. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass zwischen 63 und 72 Prozent der untersuchten Personen Schuhe tragen, die weder in der Länge noch in der Breite korrekt passen.[1] Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Schuhwerk und Fussgesundheit und bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention und Behandlung.

Wie Schuhe Fussschmerzen verursachen

Die Beziehung zwischen Schuhwerk und Fussgesundheit ist komplex und multifaktoriell. Grundsätzlich können Schuhe auf verschiedene Weise zu Beschwerden führen: durch unpassende Grösse, inadäquate Formgebung, mangelnde Dämpfung oder biomechanisch ungünstige Konstruktionsmerkmale.[6] Besonders problematisch sind Schuhe mit zu engem Zehenraum, übermässiger Absatzhöhe oder unzureichender Fussgewölbeunterstützung.

Eine Langzeitstudie der Framingham-Kohorte konnte nachweisen, dass das Tragen von inadäquatem Schuhwerk — insbesondere hochhackiger Schuhe und Schuhe ohne Unterstützung — mit einem signifikant erhöhten Risiko für Fussschmerzen und Deformitäten assoziiert ist.[5] Frauen sind dabei überproportional betroffen, was teilweise auf geschlechtsspezifische Schuhmode zurückzuführen ist.[3]

Häufige Fusserkrankungen durch falsches Schuhwerk

Inadäquates Schuhwerk kann eine Vielzahl von Fusserkrankungen begünstigen oder verschlimmern. Zu den häufigsten gehören:

Hallux valgus (Ballenzeh) ist eine der am weitesten verbreiteten Fussdeformitäten und betrifft laut einer Meta-Analyse etwa 23 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren und bis zu 36 Prozent der über 65-Jährigen.[8] Enge Schuhe mit spitz zulaufendem Zehenraum gelten als wesentlicher extrinsischer Risikofaktor für die Entwicklung dieser Fehlstellung.

Metatarsalgie bezeichnet Schmerzen im Bereich der Mittelfussknochen und wird häufig durch hohe Absätze verursacht, die das Körpergewicht nach vorne auf den Vorfuss verlagern. Studien zeigen, dass bereits Absatzhöhen von vier Zentimetern den plantaren Druck im Vorfussbereich um bis zu 50 Prozent erhöhen können.[10]

Plantarfasziitis ist eine schmerzhafte Entzündung der Plantarfaszie an der Fusssohle. Schuhe ohne ausreichende Fussgewölbeunterstützung und Dämpfung können die Belastung der Plantarfaszie erhöhen und zur Entwicklung chronischer Beschwerden beitragen.[9]

Hammerzehen und Krallenzehen entstehen häufig durch zu kurze oder zu enge Schuhe, die die Zehen in eine unnatürliche Position zwingen. Über längere Zeiträume kann dies zu einer dauerhaften Verformung der Zehengelenke führen.[3]

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Schuhpassform

Die systematische Übersichtsarbeit von Buldt und Menz (2018) analysierte 18 Studien zur Schuhpassform und deren Zusammenhang mit Fussschmerzen.[1] Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass ein Grossteil der Bevölkerung Schuhe in falscher Grösse trägt — wobei zu enge Schuhe häufiger vorkommen als zu weite. Besonders ältere Menschen und Personen mit Diabetes tragen überproportional häufig unpassendes Schuhwerk.

Die Studie identifizierte einen klaren Zusammenhang zwischen schlecht passenden Schuhen und dem Auftreten von Fussschmerzen, Hühneraugen, Hallux valgus und Zehendeformitäten. Interessanterweise war die Diskrepanz zwischen Fusslänge und Schuhlänge bei Frauen grösser als bei Männern, was die höhere Prävalenz von Fussdeformitäten bei Frauen teilweise erklären könnte.[1]

Fussschmerzen und eingeschränkte Mobilität

Die Auswirkungen von Fussschmerzen gehen weit über lokale Beschwerden hinaus. Die Framingham Foot Study konnte zeigen, dass Fussschmerzen bei älteren Erwachsenen mit signifikanten Einschränkungen der Mobilität und der Gehfähigkeit assoziiert sind.[9] Betroffene zeigen eine reduzierte Gehgeschwindigkeit, verkürzte Schrittlänge und ein erhöhtes Sturzrisiko.

Diese Mobilitätseinschränkungen können einen Teufelskreis auslösen: Weniger Bewegung führt zu Muskelabbau und Gewichtszunahme, was wiederum die Belastung der Füsse erhöht und die Schmerzen verschlimmert. Daher ist die frühzeitige Intervention durch geeignetes Schuhwerk von grosser Bedeutung für die langfristige Gesundheit und Lebensqualität.[10]

Evidenzbasierte Empfehlungen für gesundes Schuhwerk

Basierend auf der aktuellen Forschungslage lassen sich folgende evidenzbasierte Empfehlungen für die Schuhwahl ableiten:

  • Korrekte Grössenbestimmung — Beide Füsse sollten am Nachmittag oder Abend vermessen werden, wenn sie durch natürliche Schwellung ihre maximale Grösse erreicht haben. Zwischen der längsten Zehe und der Schuhspitze sollte ein Daumenbreit Platz sein.[1]
  • Ausreichende Weite im Zehenbereich — Der Zehenraum sollte breit genug sein, damit die Zehen sich frei bewegen können, ohne seitlich komprimiert zu werden.[8]
  • Moderate Absatzhöhe — Absätze sollten idealerweise nicht höher als 3–4 cm sein, um eine übermässige Vorfussbelastung zu vermeiden.[5]
  • Gute Fussgewölbeunterstützung — Schuhe mit integrierter Fussbettung oder die Möglichkeit, orthopädische Einlagen zu verwenden, können die Druckverteilung optimieren.[4]
  • Flexible Sohle mit Dämpfung — Eine ausreichend flexible Sohle ermöglicht die natürliche Abrollbewegung des Fusses, während Dämpfungselemente Stossbelastungen reduzieren.[6]

Therapeutische Schuhinterventionen

Für Personen mit bestehenden Fussschmerzen können therapeutische Schuhinterventionen eine wirksame Behandlungsoption darstellen. Eine randomisierte kontrollierte Studie von Menz et al. (2014) untersuchte die Wirksamkeit von handelsüblichen Schuhen mit extra Tiefe bei älteren Menschen mit chronischen Fussschmerzen.[4] Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Reduktion der Fussschmerzen nach 16 Wochen im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Orthopädische Einlagen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bei Fehlstellungen wie Plattfuss oder Hohlfuss. Sie verbessern die Druckverteilung unter dem Fuss und können biomechanische Fehlbelastungen korrigieren.[7] Die Kombination aus geeignetem Schuhwerk und individuell angepassten Einlagen zeigt in Studien die besten Ergebnisse.

Besondere Risikogruppen

Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind besonders anfällig für schuhbedingte Fussschmerzen und benötigen besondere Aufmerksamkeit bei der Schuhwahl:

Ältere Menschen zeigen altersbedingte Veränderungen der Fussstruktur, darunter Verlust des Fettpolsters, Verbreiterung des Fusses und zunehmende Steifigkeit der Gelenke. Studien zeigen, dass über 70 Prozent der älteren Menschen Schuhe tragen, die nicht ihren aktuellen Fussmassen entsprechen.[3]

Personen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Fussprobleme aufgrund von Neuropathie und peripherer Durchblutungsstörung. Unpassendes Schuhwerk kann bei diesen Patienten zu Druckstellen und Ulzerationen führen, die schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen können.[1]

Berufstätige mit langem Stehen sind ebenfalls eine Risikogruppe. Berufe, die langes Stehen oder Gehen auf harten Oberflächen erfordern, erhöhen die mechanische Belastung der Füsse erheblich. Hier ist die Wahl von Arbeitsschuhen mit guter Dämpfung und Unterstützung besonders wichtig.[2]

Wann zum Arzt

Nicht alle Fussschmerzen lassen sich allein durch einen Schuhwechsel beheben. Ein Arztbesuch ist empfehlenswert bei: anhaltenden Schmerzen trotz Schuhwechsel (länger als zwei Wochen), sichtbaren Deformitäten wie fortschreitendem Hallux valgus, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Füssen, Schwellungen oder Rötungen ohne erkennbare Ursache, sowie bei Schmerzen, die das Gehen erheblich einschränken.[9] Fachärzte für Orthopädie oder Podologie können eine genaue Diagnose stellen und individuell angepasste Therapieoptionen empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, ob meine Schuhe richtig passen?

Zwischen der längsten Zehe und der Schuhspitze sollte etwa ein Daumenbreit (10–12 mm) Platz sein. Die Zehen sollten sich frei bewegen können, ohne seitlich eingeengt zu werden. Der Schuh sollte an der Ferse fest sitzen, ohne zu drücken. Messen Sie Ihre Füsse am besten am Nachmittag, da sie im Tagesverlauf anschwellen.[1]

Können High Heels dauerhafte Schäden verursachen?

Ja, regelmässiges Tragen von hohen Absätzen kann zu dauerhaften strukturellen Veränderungen führen, darunter Verkürzung der Achillessehne, Hallux valgus, Metatarsalgie und Morton-Neurom. Studien zeigen, dass das Risiko mit zunehmender Absatzhöhe und Tragedauer steigt.[5]

Helfen orthopädische Einlagen bei Fussschmerzen?

Orthopädische Einlagen können bei bestimmten Fussproblemen wirksam sein, insbesondere bei Fehlstellungen, Plantarfasziitis und Metatarsalgie. Sie verbessern die Druckverteilung und können biomechanische Fehlbelastungen korrigieren. Individuell angefertigte Einlagen zeigen in Studien bessere Ergebnisse als Standardeinlagen.[4]

Wie oft sollte man Schuhe wechseln?

Laufschuhe sollten nach etwa 600–800 Kilometern ersetzt werden, da die Dämpfungseigenschaften nachlassen. Alltagsschuhe sollten bei sichtbarer Abnutzung der Sohle oder des Obermaterials gewechselt werden. Es empfiehlt sich, zwischen verschiedenen Schuhpaaren zu wechseln, um einseitige Belastungen zu vermeiden.[6]

Sind Barfussschuhe eine gute Alternative?

Barfussschuhe können die Fussmuskulatur stärken und die natürliche Fussmechanik fördern. Allerdings sollte der Übergang schrittweise erfolgen, da eine plötzliche Umstellung zu Überlastungsbeschwerden führen kann. Für Personen mit bestehenden Fussproblemen oder Diabetes sind Barfussschuhe nicht immer geeignet.[10]

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10 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Buldt, A. K., & Menz, H. B. (2018). Incorrectly fitted footwear, foot pain and foot disorders: A systematic review. Journal of Foot and Ankle Research, 11, 43.
  2. 2 McRitchie, M., Branthwaite, H., & Chockalingam, N. (2018). Footwear choices for painful feet – an observational study exploring footwear and foot problems in women. Journal of Foot and Ankle Research, 11, 23.
  3. 3 Menz, H. B., & Morris, M. E. (2005). Footwear characteristics and foot problems in older people. Gerontology, 51(5), 346–351.
  4. 4 Menz, H. B., Auhl, M., Tan, J. M., et al. (2014). Effectiveness of off-the-shelf, extra-depth footwear in reducing foot pain in older people: A randomized controlled trial. Journals of Gerontology: Series A, 70(4), 511–517.
  5. 5 Dufour, A. B., Broe, K. E., Nguyen, U. S., et al. (2009). Foot pain: Is current or past shoewear a factor? Arthritis & Rheumatism, 61(10), 1352–1358.
  6. 6 Barton, C. J., Bonanno, D., & Menz, H. B. (2009). Development and evaluation of a tool for the assessment of footwear characteristics. Journal of Foot and Ankle Research, 2, 10.
  7. 7 Munteanu, S. E., Menz, H. B., Zammit, G. V., et al. (2017). Efficacy of intra-articular hyaluronan for first metatarsophalangeal joint osteoarthritis. Annals of Internal Medicine, 167(8), 548–556.
  8. 8 Nix, S., Smith, M., & Vicenzino, B. (2010). Prevalence of hallux valgus in the general population: A systematic review and meta-analysis. Journal of Foot and Ankle Research, 3, 21.
  9. 9 Menz, H. B., Dufour, A. B., Casey, V. A., et al. (2014). Foot pain and mobility limitations in older adults: The Framingham Foot Study. Journals of Gerontology: Series A, 69(10), 1281–1287.
  10. 10 Riskowski, J. L., Dufour, A. B., & Hannan, M. T. (2011). Arthritis, foot pain and shoe wear: Current musculoskeletal research on feet. Current Opinion in Rheumatology, 23(2), 148–155.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Geprüft: May 24, 2026

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