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Atemwegserkrankungen reichen vom harmlosen, selbstlimitierenden Schnupfen bis zur chronisch-entzündlichen Erkrankung mit dauerhafter Therapie. Im Alltag werden zwei Bilder besonders häufig verwechselt: die akute virale Erkältung, die fast jeden Erwachsenen mehrmals pro Jahr trifft, und das chronische Asthma bronchiale, von dem in der Schweiz rund 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.[3] Beide spielen sich an denselben Schleimhäuten ab, beide äussern sich mit Husten und Atembeschwerden, doch Ursachen, Verlauf und sinnvolle Massnahmen unterscheiden sich grundlegend.
Dieser Artikel ordnet ein, was bei einer typischen Atemwegserkrankungen Behandlung tatsächlich evidenzbasiert ist: wie Asthma nach den aktuellen GINA-Leitlinien stufengerecht behandelt wird, was bei einer Erkältung wirklich hilft (und was nicht), wann eine ärztliche Abklärung dringend ist und wie sich Komplikationen vermeiden lassen.
Auf einen Blick
- Asthma ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege mit reversibler Bronchialobstruktion und benötigt eine dauerhafte, stufengerechte Therapie nach GINA.
- Die Erkältung ist eine virale, selbstlimitierende Infektion. Sie heilt typischerweise innerhalb von 7 bis 10 Tagen folgenlos aus. Antibiotika sind unwirksam.
- Husten, Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche über mehrere Wochen, nachts oder unter Belastung sind keine Erkältungssymptome, sondern Warnzeichen für eine chronische Atemwegserkrankung.
- Alarmsymptome wie schwere Atemnot, blaue Lippen, Hämoptyse oder Fieber über fünf Tage gehören sofort in ärztliche Abklärung.
Asthma bronchiale
Asthma ist gemäss der Global Initiative for Asthma (GINA) definiert als eine heterogene Erkrankung, die durch eine chronische Entzündung der Atemwege gekennzeichnet ist. Klinisch äussert sie sich in episodischen Symptomen wie pfeifender Atmung, Atemnot, Engegefühl in der Brust und Husten, die in Intensität und Häufigkeit schwanken und mit einer variablen Atemflusslimitation einhergehen.[1]
Pathophysiologie: Entzündung und bronchiale Hyperreagibilität
Im Zentrum des Asthmas stehen zwei eng verflochtene Prozesse. Erstens eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut, an der je nach Phänotyp eosinophile Granulozyten, T-Helfer-Zellen vom Typ 2 (Th2), Mastzellen und neutrophile Granulozyten beteiligt sind. Zweitens eine bronchiale Hyperreagibilität: die Atemwege reagieren auf an sich harmlose Reize (kalte Luft, körperliche Anstrengung, Allergene) mit überschiessender Verengung.[2]
Die resultierende Atemflusslimitation beruht auf drei Mechanismen: Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur, Schleimhautödem und vermehrte, zähe Schleimproduktion. Bei langjährig unkontrolliertem Verlauf kann es zum sogenannten Airway Remodeling kommen, einer strukturellen Wandverdickung mit teils irreversibler Funktionseinbusse. Eine konsequente entzündungshemmende Therapie kann diesen Umbau bremsen.
Asthma-Phänotypen
Asthma ist keine einheitliche Erkrankung. Moderne Klassifikationen unterscheiden mehrere Phänotypen, die für die Therapiewahl relevant sind:
- Allergisches Asthma: beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter, oft kombiniert mit allergischer Rhinitis oder Neurodermitis. Auslöser sind inhalative Allergene (Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare).
- Eosinophiles (nicht-allergisches) Asthma: meist Erstmanifestation im Erwachsenenalter, hohe Eosinophilenzahl im Blut oder Sputum, häufig schwerer Verlauf, gutes Ansprechen auf Kortikosteroide und Biologika.
- Anstrengungsinduziertes Asthma: Bronchokonstriktion nach körperlicher Belastung, vor allem in kalter, trockener Luft.
- Adipositas-assoziiertes Asthma: oft schwerer kontrollierbar, mit geringerer Eosinophilie und schlechterem Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide.
- Berufsbedingtes Asthma: ausgelöst durch Stäube, Dämpfe oder Chemikalien am Arbeitsplatz (Mehlstaub, Isocyanate, Reinigungsmittel).
Diagnostik: Spirometrie und FeNO
Die Diagnose stützt sich auf die typische Symptomatik in Kombination mit dem Nachweis einer variablen Atemflusslimitation. Standard ist die Spirometrie, ergänzt durch einen Bronchodilatator-Reversibilitätstest: Eine Zunahme des FEV1 um mindestens 12 Prozent (und mindestens 200 ml) nach Inhalation eines kurzwirksamen Beta-2-Agonisten gilt als beweisend für eine reversible Obstruktion.[1]
Bei normaler Spirometrie trotz typischer Anamnese kommen weitere Tests zum Einsatz: Peak-Flow-Protokoll über zwei Wochen, unspezifischer Provokationstest (Methacholin) oder die Messung des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids (FeNO). Erhöhte FeNO-Werte sprechen für eine eosinophile Atemwegsentzündung und liefern Hinweise auf das Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide.[5]
GINA-Stufentherapie
Die GINA-Strategie 2024 hat die früher übliche reine Bedarfstherapie mit kurzwirksamen Beta-2-Agonisten (SABA) verlassen. Empfohlen wird stattdessen eine Stufentherapie, in der ab Stufe 1 ein inhalatives Kortikosteroid (ICS) zum Einsatz kommt, weil die Grunderkrankung Asthma eine Entzündung ist und nicht primär ein Engstellungsproblem.[1] Die Stufen werden je nach Kontrollgrad angepasst (Step-up bei schlechter Kontrolle, Step-down bei mindestens drei Monaten guter Kontrolle).
| Stufe | Bevorzugte Dauertherapie | Bedarfstherapie |
|---|---|---|
| Stufe 1 | Niedrigdosiertes ICS-Formoterol als Bedarfstherapie | ICS-Formoterol bei Symptomen |
| Stufe 2 | Niedrigdosiertes ICS täglich oder ICS-Formoterol als Bedarfstherapie | ICS-Formoterol oder SABA |
| Stufe 3 | Niedrigdosiertes ICS plus langwirksamer Beta-2-Agonist (LABA) | ICS-Formoterol (MART-Konzept) |
| Stufe 4 | Mitteldosiertes ICS plus LABA, ggf. ergänzt durch LAMA (Tiotropium) | ICS-Formoterol |
| Stufe 5 | Hochdosiertes ICS plus LABA, plus LAMA und ggf. Biologika (Anti-IgE, Anti-IL-5, Anti-TSLP) bei schwerem Asthma | ICS-Formoterol |
Stufe 1 und 2: leichte Verläufe
Auf den unteren Stufen genügt eine niedrigdosierte entzündungshemmende Therapie. GINA bevorzugt die Bedarfskombination ICS-Formoterol gegenüber reinem SABA, weil so jede Bedarfsdosis gleichzeitig die Entzündung dämpft und das Risiko schwerer Exazerbationen reduziert wird.
Stufe 3 und 4: mittlere bis ausgeprägte Verläufe
Auf diesen Stufen wird die Dauertherapie um einen langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) ergänzt. Häufig wird das MART-Konzept (Maintenance and Reliever Therapy) eingesetzt: dieselbe ICS-Formoterol-Kombination dient sowohl der täglichen Basistherapie als auch der Bedarfsbehandlung.
Stufe 5: schweres, schwer kontrollierbares Asthma
Bei anhaltend schlechter Kontrolle trotz hochdosierter ICS-LABA-Therapie sollte eine Überweisung an die Pneumologie erfolgen. Möglich sind die Ergänzung um ein langwirksames Anticholinergikum (LAMA, z. B. Tiotropium) und der Einsatz von Biologika, die gezielt eosinophile (Anti-IL-5: Mepolizumab, Benralizumab, Reslizumab), IgE-vermittelte (Omalizumab) oder Typ-2-Entzündungswege (Anti-IL-4/13: Dupilumab; Anti-TSLP: Tezepelumab) blockieren. Die Auswahl richtet sich nach Phänotyp und biomarkerbasierten Kriterien.
Neben der medikamentösen Therapie werden auf allen Stufen ergänzende Therapieoptionen geprüft (Atemphysiotherapie, Patientenschulung, Behandlung von Komorbiditäten wie chronischer Rhinosinusitis, Reflux oder Adipositas). Spezifische Fragen zur individuellen Therapie gehören in die ärztliche Sprechstunde.
Triggerfaktoren erkennen und vermeiden
Eine gute Asthmakontrolle setzt voraus, dass individuelle Auslöser identifiziert und nach Möglichkeit reduziert werden. Häufige Trigger sind:
- Allergene: Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare, Schimmel.
- Atemwegsinfekte: häufigster Auslöser von Exazerbationen, vor allem Rhinoviren und Influenza.
- Rauch und Schadstoffe: Tabakrauch (aktiv und passiv), Holzfeuer, Feinstaub, Ozon.
- Körperliche Anstrengung in kalter, trockener Luft.
- Medikamente: nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und unselektive Betablocker bei empfindlichen Personen.
- Hormonelle und emotionale Faktoren: prämenstruelle Verschlechterung, starker Stress, Hyperventilation.
Asthmakontrolle einschätzen
Der Erfolg der Therapie wird nicht über die Stufe, sondern über die Asthmakontrolle gemessen. GINA verwendet vier Fragen für die zurückliegenden vier Wochen:
- Tagessymptome häufiger als zweimal pro Woche?
- Nächtliches Erwachen wegen Asthma?
- Bedarfsmedikament häufiger als zweimal pro Woche?
- Aktivitätseinschränkung wegen Asthma?
Keine Antwort mit Ja bedeutet gut kontrollierte Erkrankung; ein bis zwei Mal Ja bedeuten teilweise kontrolliert; drei oder vier Mal Ja bedeuten unkontrolliert. Dazu kommt die Frage nach Exazerbationen im letzten Jahr. Wer trotz Therapie unkontrolliert ist, gehört in ärztliche Reevaluation: oft helfen schon eine bessere Inhalationstechnik, gute Therapietreue und die Behandlung von Begleiterkrankungen, bevor die Stufe erhöht wird.
Erkältung (Common Cold)
Die akute Rhinopharyngitis, im Volksmund Erkältung oder grippaler Infekt, ist eine virale Infektion der oberen Atemwege. Erwachsene erkranken im Durchschnitt zwei- bis viermal pro Jahr, kleine Kinder sechs- bis achtmal.[6] Trotz der Häufigkeit lässt sich der Verlauf medikamentös kaum verkürzen, gut behandeln lassen sich aber die Symptome.
Erreger und Übertragung
Für die Mehrheit der Erkältungen sind Rhinoviren verantwortlich (rund 30 bis 50 Prozent der Fälle). Weitere wichtige Erreger sind Coronaviren (nicht SARS-CoV-2-Varianten allein), respiratorische Synzytialviren (RSV), Parainfluenzaviren, humane Metapneumoviren und Adenoviren. Die Übertragung erfolgt vor allem als Tröpfcheninfektion und über kontaminierte Hände. Die Inkubationszeit liegt typischerweise bei ein bis drei Tagen.
Typischer Verlauf
Eine unkomplizierte Erkältung folgt einem charakteristischen Muster: Halskratzen und Niesreiz am Tag 1, gefolgt von wässrigem Schnupfen, Halsschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl an den Tagen 2 bis 4, Übergang in zähen, gelblich-grünlichen Schleim ab etwa Tag 4 (kein Hinweis auf eine bakterielle Infektion, sondern auf neutrophile Granulozyten in der Schleimhaut) und Abklingen der Symptome bis Tag 7 bis 10. Husten kann als postvirales Symptom noch zwei bis drei Wochen anhalten und ist allein kein Grund für eine Antibiotikatherapie.[6]
Was evidenzbasiert hilft
Die Behandlung der Erkältung zielt auf Symptomlinderung und Unterstützung der Selbstheilung. Folgende Massnahmen sind durch klinische Studien gut belegt:
- Ruhe und Schlaf: ausreichende Erholung beschleunigt subjektiv die Genesung und reduziert Übertragungsrisiken im Umfeld.
- Reichliche Flüssigkeitszufuhr: Wasser, ungesüsste Tees und warme Suppen halten Schleimhäute feucht und verflüssigen das Sekret.
- Salznasenspülungen: isotone oder leicht hypertone Kochsalzlösungen reduzieren in mehreren Studien die Symptomdauer.[7]
- Lutschtabletten und Halssprays: lindern lokal Halsschmerzen; bei stärkeren Schmerzen helfen Paracetamol oder Ibuprofen in zugelassener Dosierung.
- Abschwellende Nasensprays (alpha-sympathomimetisch): kurzzeitig nützlich, maximal fünf bis sieben Tage, sonst Risiko der Rhinitis medicamentosa.
- Honig (bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr): mehrere Studien zeigen einen moderaten Effekt auf nächtlichen Husten.[8]
Was nicht oder nur wenig hilft
Genauso wichtig wie das Wissen um wirksame Massnahmen ist die Einsicht, was bei einer Erkältung verzichtbar oder potenziell schädlich ist:
- Antibiotika: wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei unkomplizierter Erkältung sind sie wirkungslos und fördern Antibiotikaresistenzen.[6]
- Hohe Dosen Vitamin C oder Zink: die Evidenz ist heterogen. Eine prophylaktische Einnahme verkürzt die Krankheitsdauer allenfalls geringfügig.
- Antitussiva und Expektorantien bei einfachem Husten: die Datenlage ist schwach. Bei produktivem Husten sind sie selten sinnvoll.
- Schwitzkuren, Saunabesuche, exzessive Bewegung: bei Fieber oder Brustschmerz potenziell belastend für das Herz-Kreislauf-System; im akuten Infekt körperliche Schonung bevorzugen.
Komplikationen
Die meisten Erkältungen heilen folgenlos aus. Mögliche Komplikationen sind bakterielle Sekundärinfektionen wie akute Sinusitis, Otitis media oder Bronchitis. Hinweise darauf sind ein anhaltend hohes Fieber, deutliche Verschlechterung nach initialer Besserung (sogenannter Doppelhöcker-Verlauf) oder einseitige Gesichtsschmerzen mit eitrigem Sekret. Bei Personen mit Asthma, COPD oder Herzinsuffizienz kann jeder Atemwegsinfekt eine Exazerbation der Grunderkrankung auslösen.
Asthma oder Erkältung? Symptome differenzieren
Beide Krankheitsbilder können sich überlappen, vor allem bei einem Asthma-Anfall nach einem viralen Infekt. Die folgende Übersicht hilft, typische Konstellationen einzuordnen. Sie ersetzt keine ärztliche Untersuchung, aber sie zeigt, welche Anzeichen nicht zu einer banalen Erkältung passen:
| Merkmal | Erkältung | Asthma |
|---|---|---|
| Dauer | 7 bis 10 Tage, Husten bis 3 Wochen | Chronisch, in Episoden über Monate bis Jahre |
| Schnupfen | Typisch, oft das Leitsymptom | Nicht typisch (möglich bei begleitender allergischer Rhinitis) |
| Pfeifende Atmung | Selten | Charakteristisch |
| Atemnot | Selten, nur bei schwerem Verlauf | Häufig, vor allem nachts und unter Belastung |
| Fieber | Möglich, meist gering | Kein typisches Symptom |
| Auslöser | Virusinfekt, Tröpfchen | Allergene, Reize, Belastung, Infekte |
| Verlauf | Selbstlimitierend | Chronisch, dauerhafte Kontrolle nötig |
Wann zum Arzt
Eine ärztliche Abklärung sollte zeitnah erfolgen bei:
- Schwerer Atemnot in Ruhe, blaue Lippen oder Fingernägel: Verdacht auf schweren Asthmaanfall oder Pneumonie, Notfall.
- Asthma-Notfallzeichen: kein ausreichendes Ansprechen auf das Bedarfsmedikament, Sprechen in Einzelwörtern statt Sätzen, Erschöpfung. Sofort Notruf 144.
- Fieber über 5 Tage oder Fieber, das nach initialer Besserung erneut ansteigt.
- Blutiger Auswurf (Hämoptyse) oder eitrig-übelriechendes Sputum.
- Anhaltender Husten über mehr als acht Wochen.
- Wiederkehrende Atemwegsinfekte mehr als vier- bis sechsmal pro Jahr beim Erwachsenen.
- Atemwegsbeschwerden in der Schwangerschaft, bei Säuglingen oder chronisch Kranken: tiefere Schwelle für ärztliche Vorstellung.
Für die Asthma-Erstdiagnostik und schwere Verläufe ist die Überweisung an eine FMH-Fachperson für Pneumologie sinnvoll. Die Lungenliga Schweiz bietet zudem Patientenschulungen, Inhalationsschulungen und Beratung in den Kantonen an.[3]
Praktische Schritte für den Alltag
- Inhalator-Technik einmal jährlich überprüfen lassen (Hausarzt, Apotheke, Lungenliga). Fehler bei der Anwendung sind eine der häufigsten Ursachen für mangelnde Asthmakontrolle.
- Allergene reduzieren: Encasing-Bezüge bei Hausstaubmilbenallergie, regelmässiges Lüften, in der Pollensaison Wäsche nicht im Schlafzimmer trocknen.
- BAG-Impfempfehlungen nutzen: jährliche Grippeimpfung und Pneumokokken-Impfung gemäss Empfehlung bei chronischen Atemwegserkrankungen.
- Rauchstopp: der wichtigste einzelne Schritt für gesündere Atemwege. Beratung über die Rauchstopplinie und die Lungenliga.
- Stosslüften statt Kippstellung: mehrmals täglich für wenige Minuten Querlüften reduziert Aerosolkonzentration und Schimmelbildung.
- Händehygiene: regelmässiges Händewaschen senkt die Häufigkeit viraler Atemwegsinfekte messbar.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann sich Asthma im Erwachsenenalter neu entwickeln?
Ja. Sogenanntes Late-Onset-Asthma beginnt erst im Erwachsenenalter, oft ohne klassische Allergiehinweise und häufig eosinophil dominiert. Es kann schwerer verlaufen und benötigt besonders konsequente Diagnostik und Therapie.[2]
Wann ist ein Husten verdächtig auf Asthma und nicht auf eine Erkältung?
Ein Husten ist asthmaverdächtig, wenn er länger als acht Wochen anhält, nachts oder am frühen Morgen auftritt, mit pfeifender Atmung oder Atemnot einhergeht oder durch Belastung, Kälte und Allergene ausgelöst wird. Eine Spirometrie mit Bronchodilatationstest klärt die Frage.[1]
Sind Antibiotika bei einer Erkältung sinnvoll?
Nein. Erkältungen werden zu über 90 Prozent durch Viren verursacht. Antibiotika sind in dieser Situation wirkungslos, können Nebenwirkungen verursachen und fördern Resistenzen. Sie werden nur eingesetzt, wenn ärztlich eine bakterielle Komplikation diagnostiziert wird.[6]
Was hilft wirklich schnell gegen eine verstopfte Nase?
Salzhaltige Nasenspülungen oder Sprays sind die sicherste Option und reduzieren die Symptomdauer in Studien.[7] Abschwellende Sprays wirken rasch, dürfen aber nur fünf bis sieben Tage angewendet werden, sonst droht eine Gewöhnungsrhinitis.
Wie oft sollte die Inhalationstechnik kontrolliert werden?
Mindestens einmal pro Jahr, idealerweise bei jeder Verschlechterung der Asthmakontrolle. Über die Hälfte der Patienten macht systematische Anwendungsfehler. Eine Kontrolle in der Hausarztpraxis, in der Apotheke oder bei der Lungenliga ist effektiv und kostengünstig.[3]
Sollten Asthmatiker sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen?
Ja. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung und je nach Alter und Risikoprofil die Pneumokokken-Impfung für Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen, weil Atemwegsinfekte häufige Auslöser von Exazerbationen sind.[4]
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Quellen
- 1 Global Initiative for Asthma (2024). Global Strategy for Asthma Management and Prevention. GINA Main Report 2024. →
- 2 Holguin, F., et al. (2020). Management of severe asthma: a European Respiratory Society/American Thoracic Society guideline. European Respiratory Journal, 55(1), 1900588. →
- 3 Lungenliga Schweiz (2024). Asthma: Informationen, Beratung und Schulung. lungenliga.ch. →
- 4 Bundesamt für Gesundheit BAG (2024). Saisonale Grippe: Impfempfehlungen für Risikogruppen. bag.admin.ch. →
- 5 Horváth, I., et al. (2017). A European Respiratory Society technical standard: exhaled biomarkers in lung disease. European Respiratory Journal, 49(2), 1600965. →
- 6 National Institute for Health and Care Excellence (2018, akt. 2024). Cough (acute): antimicrobial prescribing. NICE guideline NG120. →
- 7 King, D., et al. (2015). Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews, (4), CD006821. →
- 8 Abuelgasim, H., et al. (2021). Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, (4), CD007094. →
- 9 Reddel, H. K., et al. (2022). Global Initiative for Asthma Strategy 2021: Executive summary and rationale for key changes. European Respiratory Journal, 59(1), 2102730. →
- 10 Allan, G. M., & Arroll, B. (2014). Prevention and treatment of the common cold: making sense of the evidence. Canadian Medical Association Journal, 186(3), 190–199. →

