Veröffentlicht: 28. Mai 2026|Aktualisiert: 28. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

Inhaltsverzeichnis

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Hauterkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Schweiz. Akne betrifft im Verlauf der Pubertät etwa 85 Prozent aller Jugendlichen und persistiert bei rund 20 bis 40 Prozent bis ins Erwachsenenalter.[1] Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) hat in westlichen Industrieländern eine Lebenszeitprävalenz von 15 bis 20 Prozent bei Kindern und 2 bis 10 Prozent bei Erwachsenen.[2]

Beide Erkrankungen sind chronisch entzündlich, gut sichtbar und psychosozial belastend. Akne und Neurodermitis unterscheiden sich pathophysiologisch grundlegend: Akne entsteht im Talgdrüsenfollikel, Neurodermitis als systemische Barriere- und Th2-Immunstörung. Die Therapie folgt jeweils einem klar gestuften Schema, das international harmonisiert ist (EuroGuiDerm, AAD, BAD, NICE). Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand für die Schweizer Versorgung zusammen.

Auf einen Blick

  • Akne und Neurodermitis sind chronisch entzündliche Hauterkrankungen mit unterschiedlicher Pathophysiologie.
  • Die Therapie ist stufenbasiert: topisch zuerst, systemisch bei mittelschwerem bis schwerem Verlauf.
  • Bei Neurodermitis haben Biologika und JAK-Inhibitoren die Versorgung in den letzten Jahren grundlegend verändert.
  • Für die Erstattung in der Grundversicherung gelten in der Schweiz die Limitationen der Spezialitätenliste.
  • Alarmsymptome wie Eczema herpeticatum oder schwere Vernarbung gehören in dermatologische Hand.

Akne: Pathophysiologie und Behandlung

Die Acne vulgaris ist eine Erkrankung der Talgdrüsenfollikel im Gesicht, Dekolleté und am oberen Rücken. Vier pathogenetische Faktoren wirken zusammen und bilden die Grundlage jeder rationalen Therapie:

  • Erhöhte Sebumproduktion unter androgenem Einfluss.
  • Follikuläre Hyperkeratose mit Verstopfung des Talgdrüsenausführungsgangs (Komedonenbildung).
  • Kolonisation mit Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes), das proinflammatorische Mediatoren induziert.
  • Inflammation über das angeborene Immunsystem (Toll-like-Rezeptoren, IL-1, IL-17).[1]

Schweregrade und Erstlinientherapie

Die Einteilung erfolgt klinisch nach dominanter Effloreszenz und Ausdehnung. Die European Evidence-based S3-Guideline (EuroGuiDerm) bündelt die aktuellen Empfehlungen für Europa.[3]

Schweregrad Klinisches Bild Erstlinie (EuroGuiDerm)
Leicht, komedonal Offene und geschlossene Komedonen, wenige Papeln. Topisches Retinoid oder Azelainsäure.
Leicht bis moderat, papulopustulös Entzündliche Papeln und Pusteln neben Komedonen. Fixkombination aus topischem Retinoid plus Benzoylperoxid (BPO).
Moderat bis schwer Ausgedehnte Papulopusteln, beginnende Knoten, Risiko für Narben. Topische Kombination plus orales Antibiotikum (Doxycyclin) oder Hormontherapie bei Frauen.
Schwer, nodulär oder konglobata Tiefe Knoten, Abszesse, Fistelgänge, Vernarbung. Orales Isotretinoin als Therapie der Wahl.

Topische Therapie

Benzoylperoxid (BPO) wirkt antimikrobiell gegen C. acnes und mild komedolytisch. Im Unterschied zu Antibiotika erzeugt es keine Resistenzen. Hauptnebenwirkung ist eine reizungsbedingte Trockenheit; das Bleichen von Textilien ist ein praktischer Hinweis. Konzentrationen von 2,5 bis 5 Prozent sind oft genauso wirksam wie 10 Prozent, bei besserer Verträglichkeit.

Topische Retinoide (Adapalen, Tretinoin, Trifaroten) normalisieren die follikuläre Verhornung, lösen Komedonen auf und wirken anti-inflammatorisch. Sie sind die Basis der topischen Akne-Therapie und werden für die meisten Schweregrade empfohlen.[3] Initial sind milde Reizung und Trockenheit häufig; eine schrittweise Eingewöhnung (zunächst jeden zweiten Abend) verbessert die Verträglichkeit. In der Schwangerschaft sind topische Retinoide nicht empfohlen.

Azelainsäure (15 bis 20 Prozent) ist eine gut verträgliche Alternative, besonders bei entzündlicher Akne und postinflammatorischer Hyperpigmentierung. Sie ist auch in der Schwangerschaft erwogen worden.

Topische Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin) sollen aus Gründen der Resistenzentwicklung nicht als Monotherapie verwendet werden. Sie werden ausschliesslich in Fixkombination mit BPO oder einem Retinoid eingesetzt und in der Regel auf 12 Wochen begrenzt.[4]

Systemische Therapie

Orale Antibiotika (Doxycyclin, Lymecyclin) wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch direkt anti-inflammatorisch. Sie werden bei moderater bis schwerer entzündlicher Akne eingesetzt, immer in Kombination mit topischem BPO oder Retinoid, um Resistenzen zu reduzieren. Die Behandlungsdauer ist auf drei bis vier Monate beschränkt. Eine Photosensibilisierung ist insbesondere im Sommer zu berücksichtigen.

Bei Frauen können kombinierte orale Kontrazeptiva mit antiandrogener Komponente (z. B. Drospirenon, Cyproteronacetat) hilfreich sein, vorausgesetzt es bestehen keine Kontraindikationen (thromboembolisches Risiko, Migräne mit Aura, Raucherstatus über 35 Jahre). Spironolacton ist ein weiterer Off-Label-Ansatz für die hormonelle Komponente der adulten Akne bei Frauen.

Orales Isotretinoin (13-cis-Retinsäure) ist die wirksamste Akne-Therapie überhaupt und wirkt auf alle vier pathogenetischen Faktoren. Es induziert bei der Mehrheit der Patienten eine langfristige Remission. Indikationen sind schwere noduläre Akne, Akne mit Vernarbungsneigung, sowie therapierefraktäre moderate Akne.[3]

Das Sicherheitsprofil erfordert eine fachärztliche Begleitung:

  • Teratogenität: absolute Kontraindikation in der Schwangerschaft. In der Schweiz ist analog zum US-amerikanischen iPLEDGE-Programm ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm verbindlich. Es umfasst Aufklärung, eine effektive Kontrazeption (idealerweise zwei Methoden), monatliche Schwangerschaftstests sowie eine begrenzte Verschreibungsdauer pro Rezept.
  • Mukokutane Nebenwirkungen: Cheilitis, trockene Haut und Schleimhäute (sehr häufig); Lippenbalsam und reichhaltige Hautpflege sind Standard.
  • Laborkontrollen: Lebertransaminasen und Lipidprofil zu Beginn und im Verlauf.
  • Stimmungsveränderungen: Ein möglicher Zusammenhang mit Depression und Suizidalität wird kontrovers diskutiert. Eine sorgfältige Anamnese und engmaschige Verlaufskontrolle bei Risikopatienten ist empfohlen.

Adjuvante Massnahmen und ergänzende Therapieoptionen

Die Hautpflege stützt jede Akne-Therapie. Empfohlen sind milde, pH-neutrale Reinigungsprodukte, leichte nicht komedogene Feuchtigkeitspflege und konsequenter UV-Schutz, besonders unter topischen Retinoiden, oralen Tetracyclinen und Isotretinoin. Aggressives Scrubben oder häufiges Waschen verschlechtert eher die Symptomatik. Auch das mechanische Manipulieren von Komedonen erhöht das Risiko für postinflammatorische Hyperpigmentierung und Narben.

Ergänzende Therapieoptionen wie chemische Peelings (Salicyl-, Glykolsäure), Lasertherapien oder Lichtbehandlungen können in spezialisierten Praxen angeboten werden. Eine individuelle Beratung mit einer FMH-Dermatologin oder einem FMH-Dermatologen klärt, welche Kombination im konkreten Fall sinnvoll und kosteneffizient ist.

Mythen rund um Ernährung halten sich hartnäckig. Die Evidenz zu Diät und Akne ist heterogen: Eine moderate Reduktion von hyperglykämischer Kost und gegebenenfalls Magermilch wird in Leitlinien als Option erwähnt, während Schokolade als Trigger nicht klar belegt ist.[4] Eine vollwertige, gemüsereiche Ernährung mit moderater Zuckerlast ist sinnvoll, ohne dass eine strenge Eliminationsdiät erforderlich wäre.

Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Die atopische Dermatitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung mit schubartigem Verlauf, starkem Juckreiz und typischerweise beugenbetonter Verteilung bei Kindern beziehungsweise diffuserem Befall bei Erwachsenen. Sie ist häufig Teil des sogenannten atopischen Marsches, gemeinsam mit Asthma bronchiale und allergischer Rhinitis.[2]

Pathophysiologie

Drei pathogenetische Achsen greifen ineinander:

  • Hautbarrieren-Dysfunktion: Mutationen im Filaggrin-Gen und veränderte Lipidzusammensetzung der Hornschicht führen zu erhöhtem transepidermalem Wasserverlust und einer durchlässigeren Barriere für Allergene und Mikroben.
  • Th2-dominierte Inflammation: Die Schlüsselzytokine sind IL-4, IL-13 und IL-31. Sie unterhalten die Entzündung, fördern den Juckreiz und schwächen wiederum die Barriere. Diese Achse ist der Angriffspunkt der modernen Biologika.
  • Mikrobielle Dysbiose: Die Haut ist häufig mit Staphylococcus aureus kolonisiert, was Schübe triggert. Antiseptische Massnahmen können in Phasen starker Kolonisation hilfreich sein.[5]

Triggerfaktoren und Verlauf

Typische Trigger sind Trockenheit der Haut, Schwitzen, raue Textilien (Wolle), aggressive Tenside, Stress, Schlafmangel sowie Aeroallergene (Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare). Nahrungsmittelallergien spielen vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine Rolle und sollten gezielt abgeklärt, aber nicht prophylaktisch durch breite Eliminationsdiäten angegangen werden.

Der Verlauf ist chronisch-rezidivierend. Etwa die Hälfte der im Kindesalter Betroffenen erlebt eine deutliche Besserung bis zur Adoleszenz, ein relevanter Anteil hat jedoch lebenslang persistierende oder spät erstmanifestierte Beschwerden.

Basistherapie

Die konsequente tägliche Anwendung von Emollientien (rückfettende Pflegecremes ohne Duftstoffe) ist der Eckpfeiler jeder Neurodermitis-Behandlung und reduziert nachweislich die Anzahl und Schwere der Schübe. Empfohlen werden je nach Hauttyp 250 bis 500 Gramm pro Woche bei Erwachsenen. Cremes mit Harnstoff oder Glycerin verbessern die Wasserbindung; bei sehr trockener Haut sind reichhaltige Salben bevorzugt.[5]

Begleitend gehören milde Reinigung (kurzes, lauwarmes Duschen statt heisser Bäder), das Meiden bekannter Trigger und der Wechsel auf Baumwoll- oder Seidentextilien zur Basisversorgung.

Topische Therapie im Schub

Topische Kortikosteroide (TCS) sind seit Jahrzehnten Standard im akuten Schub. Sie werden nach Wirkstärke (Klasse I bis IV) und Körperregion ausgewählt. Im Gesicht und an intertriginösen Arealen werden nur milde bis mittelstarke Präparate über kurze Zeit eingesetzt; an Stamm und Extremitäten sind auch potente Steroide vertretbar. Die proaktive Therapie mit zwei- bis dreimal wöchentlicher Anwendung an Prädilektionsstellen kann nach Abklingen des Schubs Rezidive deutlich reduzieren.[5]

Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCIs), namentlich Tacrolimus 0,03 und 0,1 Prozent Salbe sowie Pimecrolimus 1 Prozent Creme, sind eine Alternative ohne Atrophie-Risiko. Sie eignen sich besonders für Gesicht, Hals, intertriginöse Areale und für die proaktive Erhaltungstherapie. Ein initiales Brennen tritt häufig auf, klingt aber meist binnen einer Woche ab.

Crisaborol, ein topischer PDE4-Inhibitor, ist in der Schweiz nicht überall verfügbar und international vor allem für leichte bis moderate Verläufe eine Option. Neuere topische JAK-Inhibitoren (z. B. Ruxolitinib-Creme) sind in einzelnen Märkten zugelassen und werden in Studien als Brücke zwischen Basistherapie und Systemtherapie diskutiert.

Systemische Therapie bei mittelschwerem bis schwerem Verlauf

Wenn die topische Therapie unzureichend ist, kommen systemische Optionen zum Einsatz. Die Auswahl orientiert sich an Schwere, Komorbiditäten, Alter und individuellem Sicherheitsprofil.

Stufe Substanzen Bemerkung
Konventionelle Systemtherapie Ciclosporin, Methotrexat (MTX), Azathioprin, Mycophenolatmofetil. Ciclosporin wirkt rasch, aber zeitlich limitiert; MTX und AZA als Alternativen mit Off-Label-Charakter.
Biologika Dupilumab (Anti-IL-4Rα), Tralokinumab (Anti-IL-13), Lebrikizumab (Anti-IL-13). Subkutane Injektion; günstiges Sicherheitsprofil; Konjunktivitis als typische Nebenwirkung unter Dupilumab.
JAK-Inhibitoren Upadacitinib, Abrocitinib, Baricitinib. Orale Einnahme, sehr rascher Wirkungseintritt; Boxed Warning der EMA: kardiovaskuläre Ereignisse, Thromboembolien, Malignome bei Risikopatienten.

Dupilumab war das erste Biologikum mit Zulassung für die atopische Dermatitis. Es hemmt die gemeinsame Rezeptoruntereinheit von IL-4 und IL-13. In Studien erreichen rund 40 bis 50 Prozent der Patienten eine EASI-75-Antwort (75 Prozent Reduktion der Krankheitsschwere) nach 16 Wochen.[6] Tralokinumab und Lebrikizumab blockieren spezifisch IL-13 und zeigen ein ähnliches Wirk- und Sicherheitsprofil.

JAK-Inhibitoren blockieren intrazellulär die Signalweiterleitung mehrerer Zytokine und sind als Tabletten verfügbar. Sie wirken sehr rasch auf Juckreiz und Hautbefund. Vor Therapiebeginn sind Screening auf Infektionen (insbesondere Tuberkulose, Hepatitis), kardiovaskuläres Risikoprofil und ein Update der Impfungen wichtig. Die EMA-Warnung von 2023 empfiehlt eine zurückhaltende Anwendung bei Patientinnen und Patienten über 65 Jahren, bei langjährigen Rauchern und bei kardiovaskulärer Vorgeschichte.[7]

Für die Kostenübernahme in der Schweiz gelten die Limitationen der Spezialitätenliste. Biologika und JAK-Inhibitoren werden in der Regel von einer FMH-Dermatologin oder einem FMH-Dermatologen rezeptiert, nach dokumentiertem Versagen oder Unverträglichkeit der konventionellen Systemtherapie und unter Beachtung der Schweregrade (z. B. EASI-Score, DLQI). Die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) bietet hierzu Positionspapiere und Empfehlungen.

Adjuvante Therapieoptionen

Lichttherapie mit Schmalband-UVB (311 nm) ist eine wirksame, gut verträgliche Option bei moderaten Verläufen, die auf topische Therapie nicht ausreichend ansprechen. Sie wird in dermatologischen Praxen und Spitalambulatorien angeboten, typischerweise zwei bis drei Sitzungen pro Woche über mehrere Wochen. Langfristig ist das kumulative UV-Risiko zu berücksichtigen.

Psychologische Unterstützung ist ein häufig unterschätzter Baustein. Juckreiz, Schlafstörungen und sichtbare Hautveränderungen belasten die Lebensqualität massiv. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), Habit-Reversal-Training gegen Kratzen und Entspannungsverfahren sind in randomisierten Studien als wirksame Ergänzung dokumentiert.[8] In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung ärztlich delegierte Psychotherapie sowie seit 2022 unter bestimmten Bedingungen die psychologische Psychotherapie auf Anordnung.

Mehr zur Entstehung und zu individuellen Triggern findet sich im Artikel Neurodermitis Ursachen.

Wann zum Arzt

Eine zeitnahe dermatologische Vorstellung ist in folgenden Situationen geboten:

  • Verdacht auf Eczema herpeticatum (gruppierte Bläschen, schmerzhafte Erosionen, Fieber). Dies ist ein dermatologischer Notfall und erfordert die rasche Einleitung einer antiviralen Therapie.
  • Breitflächige bakterielle Superinfektion (gelbliche Krusten, Nässen, Schmerz, Fieber).
  • Schwere Akne mit Vernarbung oder Konglobata-Bildung.
  • Plötzliche, untypische Hautveränderungen ohne klare Auslöser oder mit Allgemeinsymptomen (Gelenkschmerzen, Fieber, Schleimhautbeteiligung).
  • Verdacht auf Hautkrebs: neue oder veränderte Pigmentmale, juckende oder blutende Hautläsionen.
  • Erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, Schlafstörungen oder depressive Symptome im Zusammenhang mit der Hauterkrankung.

Praktische Schritte für den Alltag

  • Sanfte Reinigung: milde, pH-neutrale Produkte ohne Duftstoffe; kurze, lauwarme Duschen.
  • Pflege-Routine: bei Neurodermitis Emollientien täglich, idealerweise zweimal; bei Akne leichte, nicht komedogene Feuchtigkeitspflege.
  • Sonnenschutz (LSF 30 oder höher), besonders unter Retinoiden, Tetracyclinen und Isotretinoin.
  • Schubtagebuch über drei bis vier Wochen: Symptome, Ernährung, Stress, Wetter, Pflegeprodukte.
  • Bekannte Trigger identifizieren und reduzieren, ohne den Alltag unnötig einzuschränken.
  • Therapietreue: topische Wirkstoffe wirken nur bei konsequenter, ausreichend dosierter Anwendung über mehrere Wochen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert es, bis eine Akne-Therapie wirkt?

Topische Therapien zeigen sichtbare Verbesserungen meist nach 6 bis 8 Wochen, mit weiterem Fortschritt über 3 bis 6 Monate. Auch orale Antibiotika werden in der Regel über 3 bis 4 Monate evaluiert. Eine zu frühe Therapieumstellung verhindert oft, dass die maximale Wirkung erreicht wird.[3]

Ist Isotretinoin gefährlich?

Isotretinoin ist wirksam und bei korrekter Anwendung gut untersucht. Es ist absolut kontraindiziert in der Schwangerschaft und erfordert in der Schweiz ein verbindliches Schwangerschaftsverhütungsprogramm. Häufig sind trockene Lippen und Haut sowie Laborveränderungen, die fachärztlich kontrolliert werden. Mögliche Stimmungseffekte werden diskutiert und sollten besprochen werden.

Machen Kortisoncremes die Haut dünn?

Hautatrophie ist eine bekannte Nebenwirkung, vor allem bei langer hochdosierter Anwendung an empfindlichen Arealen (Gesicht, Hautfalten). Bei sachgerechter Anwendung gemäss Leitlinien (richtige Wirkstärke, definierte Anwendungszeit, proaktiv statt dauerhaft) ist das Risiko gering. Für sensible Areale stehen Calcineurin-Inhibitoren als steroidfreie Alternative zur Verfügung.[5]

Wer übernimmt die Kosten für Biologika und JAK-Inhibitoren bei Neurodermitis?

In der Schweiz erstattet die Grundversicherung diese Therapien gemäss den Limitationen der Spezialitätenliste, nach Verschreibung durch eine FMH-Dermatologin oder einen FMH-Dermatologen und in der Regel nach dokumentiertem Versagen oder Unverträglichkeit der konventionellen Systemtherapie. Schweregrad-Scores (EASI, DLQI) werden zur Begründung herangezogen.

Sind Naturheilmittel und ergänzende Therapieoptionen sinnvoll?

Eine konsequente Basispflege, milde Reinigung, Stressreduktion und Schlafhygiene sind klar belegt und gehören in jede Therapie. Einzelne pflanzliche Präparate werden untersucht, die Evidenz ist jedoch heterogen. Solche Optionen sollten leitlinienbasierte Therapien nicht ersetzen, sondern ergänzen, idealerweise nach Rücksprache mit der behandelnden Fachperson.

Verschwindet Akne mit dem Ende der Pubertät?

Bei vielen jungen Erwachsenen klingt Akne ab, ein relevanter Teil (insbesondere Frauen) entwickelt jedoch eine adulte Akne, oft mit hormoneller Komponente. Eine frühe und konsequente Behandlung beugt Narben und psychischer Belastung vor und ist altersunabhängig sinnvoll.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein. Neurodermitis ist eine entzündliche Erkrankung mit genetischer und immunologischer Komponente, nicht infektiös. Eine sekundäre bakterielle oder virale Superinfektion (z. B. Eczema herpeticatum) kann jedoch übertragbar sein und sollte rasch behandelt werden.[2]

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8 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Williams, H. C., Dellavalle, R. P., & Garner, S. (2012). Acne vulgaris. The Lancet, 379(9813), 361–372.
  2. 2 Langan, S. M., Irvine, A. D., & Weidinger, S. (2020). Atopic dermatitis. The Lancet, 396(10247), 345–360.
  3. 3 Nast, A., et al. (2024). EuroGuiDerm S3-Leitlinie zur Behandlung der Akne. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV).
  4. 4 Reynolds, R. V., et al. (2024). Guidelines of care for the management of acne vulgaris. Journal of the American Academy of Dermatology (AAD), 90(5), 1006.e1–1006.e30.
  5. 5 Wollenberg, A., et al. (2022). European guideline (EuroGuiDerm) on atopic eczema: part I and II. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV), 36(9), 1409–1431.
  6. 6 Simpson, E. L., et al. (2016). Two phase 3 trials of dupilumab versus placebo in atopic dermatitis. New England Journal of Medicine, 375(24), 2335–2348.
  7. 7 Guttman-Yassky, E., et al. (2021). Upadacitinib in adults with moderate to severe atopic dermatitis. New England Journal of Medicine, 384(12), 1101–1112.
  8. 8 Schut, C., et al. (2018). Psychological interventions in the treatment of chronic itch. JAMA Dermatology, 154(9), 1063–1066.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Geprüft: May 28, 2026

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