Veröffentlicht: 24. Mai 2026|Aktualisiert: 24. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

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Krebs entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer, umweltbedingter und lebensstilbezogener Faktoren. Weltweit erkranken jährlich rund 20 Millionen Menschen neu an Krebs, wobei schätzungsweise 30 bis 50 Prozent aller Krebsfälle durch Vermeidung bekannter Risikofaktoren verhindert werden könnten.[5] Dieser Artikel fasst den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Ursachen und Risikofaktoren von Krebs zusammen und zeigt evidenzbasierte Möglichkeiten der Prävention auf.

Wie Krebs entsteht – die biologischen Grundlagen

Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für über 200 verschiedene Erkrankungen, die alle durch unkontrolliertes Zellwachstum gekennzeichnet sind. Auf molekularer Ebene entsteht Krebs durch die Anhäufung von Mutationen in Genen, die das Zellwachstum, die Zellteilung und den programmierten Zelltod (Apoptose) regulieren.[4]

Douglas Hanahan beschrieb 2022 in seiner aktualisierten Übersicht die «Hallmarks of Cancer» — grundlegende Fähigkeiten, die Krebszellen erwerben müssen, um zu einem bösartigen Tumor heranzuwachsen. Dazu gehören unter anderem die Fähigkeit zur unbegrenzten Zellteilung, die Umgehung des Immunsystems, die Induktion von Blutgefässneubildung (Angiogenese) und die Fähigkeit zur Metastasierung.[4] Diese Eigenschaften werden durch genetische und epigenetische Veränderungen erworben, die über Jahre oder Jahrzehnte akkumulieren.

Eine viel diskutierte Studie von Tomasetti und Vogelstein (2015) zeigte, dass die Anzahl der Stammzellteilungen in einem Gewebe stark mit dem Krebsrisiko dieses Gewebes korreliert.[3] Dies deutet darauf hin, dass ein Teil des Krebsrisikos auf zufällige Replikationsfehler zurückzuführen ist — sogenanntes «Pech» bei der Zellteilung. Dennoch bleiben externe Faktoren für einen erheblichen Anteil der Krebsentstehung verantwortlich.

Modifizierbare Risikofaktoren

Modifizierbare Risikofaktoren sind Verhaltensweisen und Expositionen, die durch individuelle Entscheidungen oder gesellschaftliche Massnahmen verändert werden können. Laut einer umfassenden US-amerikanischen Analyse sind etwa 42 Prozent aller Krebsneuerkrankungen und 45 Prozent aller Krebstodesfälle auf potenziell vermeidbare Risikofaktoren zurückzuführen.[2]

Tabakkonsum ist der bedeutendste einzelne vermeidbare Risikofaktor für Krebs. Er ist für etwa 19 Prozent aller Krebsfälle und 29 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich.[2] Rauchen erhöht das Risiko für mindestens 15 verschiedene Krebsarten, darunter Lungen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Auch Passivrauchen stellt ein nachgewiesenes Krebsrisiko dar.[6]

Übergewicht und Adipositas sind mit einem erhöhten Risiko für mindestens 13 Krebsarten assoziiert, darunter Brust-, Darm-, Nieren-, Leber- und Gebärmutterkrebs. Schätzungsweise 7,8 Prozent aller Krebsfälle in den USA sind auf Übergewicht zurückzuführen.[2] Die Mechanismen umfassen chronische Entzündungsprozesse, erhöhte Insulin- und Östrogenspiegel sowie veränderte Adipokin-Signalwege.[10]

Alkoholkonsum ist ein gesicherter Risikofaktor für Krebs der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, der Leber, des Darms und der Brust. Bereits moderater Konsum erhöht das Risiko, wobei eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht.[6] In Grossbritannien werden etwa 4 Prozent aller Krebsfälle dem Alkoholkonsum zugeschrieben.[6]

Ungesunde Ernährung trägt ebenfalls zum Krebsrisiko bei. Ein hoher Konsum von verarbeitetem Fleisch und rotem Fleisch ist mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert, während eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse protektiv wirkt.[10] Die Gesamtheit der Ernährungsfaktoren macht schätzungsweise 4–5 Prozent aller Krebsfälle aus.[2]

Bewegungsmangel ist unabhängig vom Körpergewicht mit einem erhöhten Risiko für Darm-, Brust- und Gebärmutterkrebs verbunden. Regelmässige körperliche Aktivität kann das Krebsrisiko um 10 bis 20 Prozent senken.[7] Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche.

UV-Strahlung ist der Hauptrisikofaktor für Hautkrebs — die weltweit häufigste Krebsart. Sowohl natürliche Sonnenstrahlung als auch künstliche UV-Quellen (Solarien) erhöhen das Risiko für Melanome und nicht-melanozytären Hautkrebs erheblich.[1]

Nicht-modifizierbare Risikofaktoren

Alter ist der stärkste einzelne Risikofaktor für die meisten Krebsarten. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter exponentiell an, da sich genetische Schäden über die Lebensspanne akkumulieren und die DNA-Reparaturmechanismen weniger effizient werden.[3]

Genetische Prädisposition spielt bei etwa 5 bis 10 Prozent aller Krebserkrankungen eine dominante Rolle. Bekannte Beispiele sind BRCA1/BRCA2-Mutationen (Brust- und Eierstockkrebs), Lynch-Syndrom (Darmkrebs) und Li-Fraumeni-Syndrom (verschiedene Krebsarten).[8] Familiäre Häufungen können auf erbliche Krebssyndrome hinweisen und eine genetische Beratung rechtfertigen.

Hormonelle Faktoren beeinflussen insbesondere das Risiko für hormonabhängige Tumoren. Frühe Menarche, späte Menopause, Kinderlosigkeit und späte erste Schwangerschaft sind mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert.[8] Diese Faktoren verlängern die kumulative Östrogenexposition über die Lebensspanne.

Umweltfaktoren und Infektionen

Bestimmte Infektionen sind für einen erheblichen Anteil der weltweiten Krebslast verantwortlich. Humane Papillomaviren (HPV) verursachen praktisch alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs sowie einen Teil der Kopf-Hals-Tumoren. Hepatitis-B- und -C-Viren sind Hauptursachen für Leberkrebs. Helicobacter pylori erhöht das Risiko für Magenkrebs.[6] Gegen HPV und Hepatitis B stehen wirksame Impfungen zur Verfügung.

Umweltschadstoffe wie Asbest, Radon, Feinstaub und bestimmte Industriechemikalien sind ebenfalls als Karzinogene klassifiziert. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bewertet und klassifiziert Substanzen nach ihrer Karzinogenität in verschiedene Gruppen.[5] Berufliche Expositionen machen schätzungsweise 3–5 Prozent aller Krebsfälle aus.

Krebsprävention – evidenzbasierte Empfehlungen

Basierend auf der aktuellen Evidenz lassen sich folgende Empfehlungen zur Krebsprävention ableiten:

  • Verzicht auf Tabakkonsum in jeder Form[2]
  • Begrenzung des Alkoholkonsums auf ein Minimum
  • Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts (BMI 18,5–24,9)
  • Regelmässige körperliche Aktivität (mindestens 150 Min./Woche)[7]
  • Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten[10]
  • Schutz vor übermässiger UV-Strahlung
  • Wahrnehmung von Impfangeboten (HPV, Hepatitis B)
  • Teilnahme an Krebsfrüherkennungsprogrammen[9]

Eine Studie von Song und Giovannucci (2016) zeigte, dass Personen mit einem gesunden Lebensstil (Nichtraucher, moderater Alkoholkonsum, BMI 18,5–27,5, regelmässige Bewegung) ein um 20 bis 40 Prozent geringeres Krebsrisiko haben als Personen mit ungesundem Lebensstil.[7]

Häufig gestellte Fragen

Ist Krebs vererbbar?
Nur etwa 5–10 Prozent aller Krebserkrankungen sind direkt auf vererbte Genmutationen zurückzuführen. Bei den meisten Krebsarten spielen erworbene Mutationen durch Umweltfaktoren und Lebensstil die grössere Rolle. Familiäre Häufungen können jedoch auf ein erhöhtes genetisches Risiko hinweisen.[8]
Kann Stress Krebs verursachen?
Die Evidenz für einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Krebsentstehung ist nicht eindeutig. Chronischer Stress kann jedoch indirekt das Krebsrisiko erhöhen, indem er zu ungesundem Verhalten (Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel) führt und das Immunsystem schwächt.[1]
Wie viel Prozent aller Krebsfälle sind vermeidbar?
Schätzungen zufolge sind 30 bis 50 Prozent aller Krebsfälle durch Vermeidung bekannter Risikofaktoren potenziell verhinderbar. In den USA werden etwa 42 Prozent der Neuerkrankungen modifizierbaren Faktoren zugeschrieben.[2]

Wann zum Arzt

Suchen Sie ärztliche Beratung, wenn Sie eine familiäre Häufung von Krebserkrankungen bemerken, unerklärliche Symptome wie anhaltenden Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Urin, nicht heilende Wunden oder tastbare Knoten feststellen. Nutzen Sie die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen (Mammographie, Darmspiegelung, Hautkrebsscreening) entsprechend Ihrem Alter und Risikoprofil.[9]

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10 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Stein, C. J., & Colditz, G. A. (2004). Modifiable risk factors for cancer. British Journal of Cancer, 90(2), 299–303.
  2. 2 Islami, F., et al. (2018). Proportion and number of cancer cases and deaths attributable to potentially modifiable risk factors in the United States. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 68(1), 31–54.
  3. 3 Tomasetti, C., & Vogelstein, B. (2015). Variation in cancer risk among tissues can be explained by the number of stem cell divisions. Science, 347(6217), 78–81.
  4. 4 Hanahan, D. (2022). Hallmarks of cancer: New dimensions. Cancer Discovery, 12(1), 31–46.
  5. 5 Wild, C. P. (2019). The global cancer burden: Necessity is the mother of prevention. Nature Reviews Cancer, 19(3), 123–124.
  6. 6 Parkin, D. M., et al. (2011). The fraction of cancer attributable to lifestyle and environmental factors in the UK in 2010. British Journal of Cancer, 105(S2), S77–S81.
  7. 7 Song, M., & Giovannucci, E. (2016). Preventable incidence and mortality of carcinoma associated with lifestyle factors among white adults in the United States. JAMA Oncology, 2(9), 1154–1161.
  8. 8 Løyland, B., et al. (2024). Causes and risk factors of breast cancer: A systematic review. Cancers, 16(8), 1583.
  9. 9 Huang, X., et al. (2025). Association between risk factors and major cancers. JMIR Cancer, 11(1), e62833.
  10. 10 Ferraris, C., et al. (2024). Healthy lifestyle and cancer risk: Modifiable risk factors to prevent cancer. Nutrients, 16(6), 800.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Geprüft: May 24, 2026

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