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Die Beziehung zwischen Cannabis und Sport ist in der Sportwissenschaft zunehmend Gegenstand systematischer Forschung. Während die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Tetrahydrocannabinol (THC) weiterhin als im Wettkampf verbotene Substanz führt, wurde Cannabidiol (CBD) bereits 2018 von der Verbotsliste gestrichen.[9] Gleichzeitig berichten Athletinnen und Athleten verschiedener Disziplinen über die Verwendung von Cannabis-Produkten zur Regeneration und Schmerzlinderung.
Dieser Artikel fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, ohne Empfehlungen für oder gegen den Konsum auszusprechen. Im Fokus stehen die Studienlage zur Leistung, die rechtliche Einordnung im Schweizer Wettkampfsport, die WADA-Regeln und gesundheitliche Risiken, die für trainierende Personen besonders relevant sein können.
Auf einen Blick
- Die verfügbare Evidenz zeigt keine leistungssteigernden Effekte von Cannabis im Sport; akuter THC-Konsum kann Koordination und Ausdauerkapazität beeinträchtigen.
- THC ist im Wettkampf verboten (Schwellenwert 150 ng/ml im Urin), CBD seit 2018 nicht mehr auf der WADA-Verbotsliste.
- Athletinnen und Athleten berichten subjektiv über Schmerzlinderung, Schlafverbesserung und Stressreduktion; die klinische Studienlage im sportlichen Kontext ist begrenzt.
- Bei Fragen zur Vereinbarkeit mit Anti-Doping-Regeln ist eine Beratung durch Sportmedizin oder Antidoping Schweiz empfehlenswert.
Cannabis und sportliche Leistung
Die verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass Cannabis die sportliche Leistung nicht verbessert und sie unter bestimmten Bedingungen beeinträchtigen kann. Eine systematische Übersichtsarbeit fand keine Hinweise auf leistungssteigernde Effekte von THC.[6] Im Gegenteil: Akuter THC-Konsum kann die Reaktionszeit verlangsamen, die Koordination beeinträchtigen und die maximale Belastungskapazität reduzieren.[3]
Dokumentierte Akuteffekte
Studien beschreiben spezifische akute Effekte von THC, die im sportlichen Kontext relevant sein können: eine Erhöhung der Herzfrequenz (was die kardiovaskuläre Effizienz bei Ausdauerleistungen reduzieren kann), eine Beeinträchtigung der Gleichgewichtskontrolle und Feinmotorik, eine reduzierte kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und eine verringerte Motivation für intensive Trainingsbelastungen.[8] Diese Effekte sind dosisabhängig und bei gelegentlichem Konsum stärker ausgeprägt als bei regelmässigem.
| Dimension | Beobachtung in Studien | Evidenzniveau |
|---|---|---|
| Maximalkraft / Ausdauer | Keine leistungssteigernden Effekte dokumentiert; teilweise reduzierte Belastungskapazität.[6] | Moderat |
| Reaktionszeit / Koordination | Verlangsamte Reaktion, eingeschränkte Feinmotorik unter akutem THC-Einfluss.[3] | Moderat |
| Herzfrequenz | Erhöhung bei akutem Konsum, mögliche Belastung des kardiovaskulären Systems.[8] | Moderat |
| Motivation / Trainingsantrieb | Subjektiv reduzierte Bereitschaft zu intensiver Belastung.[8] | Begrenzt |
Warum Athletinnen und Athleten Cannabis verwenden
Trotz fehlender leistungssteigernder Effekte berichten viele Sportlerinnen und Sportler über subjektive Vorteile. Eine Befragung aktiver Athletinnen und Athleten ergab, dass die häufigsten genannten Gründe für den Cannabiskonsum Schmerzlinderung, Schlafverbesserung, Stressreduktion und das Empfinden besserer Erholung nach dem Training sind.[5] Insbesondere in Kontaktsportarten wie Rugby ist die CBD-Verwendung weit verbreitet: Eine Studie fand, dass über 25 Prozent der professionellen Rugby-Spieler CBD-Produkte verwenden.[4]
Wichtig zur Einordnung: Diese Daten beschreiben das Konsumverhalten und subjektive Wahrnehmungen, nicht eine klinisch belegte Wirksamkeit. Die kontrollierte Studienlage zu CBD oder THC bei athletischer Regeneration ist nach wie vor begrenzt.[2]
Hintergrund: Schmerz im Leistungssport
Die Schmerzproblematik im Leistungssport ist erheblich. Viele Athletinnen und Athleten leben mit chronischen Beschwerden durch wiederholte Verletzungen, und traditionelle Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika, Opioide) bergen bei langfristiger Anwendung erhebliche Risiken.[1] In diesem Kontext werden cannabinoidhaltige Produkte von einem Teil der Sportgemeinschaft als mögliche Alternative diskutiert. Die wissenschaftliche Evidenz für solche Anwendungen im sportmedizinischen Kontext ist jedoch noch lückenhaft.[7]
CBD und Regeneration: was die Forschung zeigt
Cannabidiol (CBD) steht aus mehreren Gründen im Fokus der sportmedizinischen Forschung. Es hat keine berauschenden (psychoaktiven) Effekte im klassischen Sinn und steht seit 2018 nicht mehr auf der WADA-Verbotsliste.[9] Präklinische Studien (Zellkulturen, Tiermodelle) beschreiben entzündungshemmende, antioxidative und anxiolytische Eigenschaften, die theoretisch für Regenerationsprozesse relevant sein könnten.[10]
Limitationen der Studienlage
Die klinische Evidenz bei trainierenden Personen ist allerdings dünn. Eine narrative Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass die bisherigen Humanstudien zu CBD und Sport methodische Limitationen aufweisen: kleine Stichproben, heterogene Dosierungen, unterschiedliche Populationen und Studiendesigns. Eindeutige Schlussfolgerungen sind daher nicht möglich.[2] Als vielversprechende Felder für zukünftige Forschung werden die Wirkung von CBD auf Schlafqualität, Muskelkater (DOMS) und trainingsinduzierte Entzündungsmarker genannt.[10]
| Berichtete Anwendung | Studienlage im Sport | Aktueller Stellenwert |
|---|---|---|
| Schmerzlinderung | Subjektive Berichte häufig, kontrollierte Studien bei Athletinnen und Athleten begrenzt.[5] | Unklar |
| Schlafqualität | Erste Hinweise in Allgemeinpopulation, sportspezifische Daten dünn.[10] | Forschung |
| Muskelkater (DOMS) | Theoretischer Mechanismus präklinisch beschrieben, klinische Bestätigung ausstehend.[2] | Forschung |
| Stress / Angst vor Wettkampf | Anxiolytische Effekte präklinisch, Humanstudien im Sportumfeld limitiert.[10] | Forschung |
Anti-Doping-Regelungen und WADA
THC bleibt auf der WADA-Verbotsliste als «Substanz, die im Wettkampf verboten ist». Der Schwellenwert für einen positiven Test liegt bei 150 ng/ml THC-Carbonsäure im Urin: Ein Wert, der gelegentlichen Konsum ausserhalb der Wettkampfperiode in der Regel nicht erfasst.[9] CBD ist nicht verboten, jedoch enthalten viele CBD-Produkte Spuren von THC, die bei regelmässiger Anwendung zu einem positiven Dopingtest führen können.
| Substanz | Im Wettkampf | Out-of-Competition | Hinweis |
|---|---|---|---|
| THC | Verboten (Schwellenwert 150 ng/ml im Urin) | Nicht verboten | Lange Nachweisbarkeit bei regelmässigem Konsum.[9] |
| CBD (rein) | Erlaubt (seit 2018) | Erlaubt | Reines CBD ohne THC-Verunreinigung. |
| CBD-Produkt mit THC-Spuren | Risiko eines positiven Tests | Geringeres Risiko, aber Kumulation möglich | Drittanbieter-Zertifizierung empfehlenswert. |
Situation in der Schweiz
Für Athletinnen und Athleten in der Schweiz gilt: Die nationale Agentur Antidoping Schweiz folgt den WADA-Regeln, und Swiss Olympic übernimmt diese im organisierten Wettkampfsport. Auch wenn CBD legal erhältlich ist, tragen Sportlerinnen und Sportler die volle Verantwortung für Substanzen in ihrem Körper, unabhängig davon, ob eine Kontamination unbeabsichtigt war.[9] Wer CBD verwenden möchte, sollte daher nur Produkte mit unabhängiger Drittanbieter-Zertifizierung (zum Beispiel Informed Sport oder NSF Certified for Sport) in Erwägung ziehen und im Zweifelsfall direkt bei Antidoping Schweiz nachfragen.
Rechtlich gilt in der Schweiz das Betäubungsmittelgesetz (BetmG): Hanfprodukte mit einem THC-Gehalt unter 1 Prozent fallen nicht unter das BetmG. THC-reiche Cannabisprodukte bleiben rezeptpflichtig oder verboten. Auch ausserhalb des Wettkampfsports ist also die rechtliche Einordnung des konkreten Produkts entscheidend.
Gesundheitliche Risiken für sporttreibende Personen
Cannabis-Konsum birgt für sporttreibende Personen spezifische Risiken, die unabhängig von der Anti-Doping-Frage relevant sind.
Atemwege und Lungenfunktion
Das Rauchen von Cannabis kann die Atemwege reizen und die Lungenkapazität beeinträchtigen, ein für Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportler besonders relevanter Faktor.[3] Inhalative Konsumformen (verbrannter Rauch) bringen zusätzliche Verbrennungsprodukte in den Atemtrakt; Vaporisation oder orale Anwendungen weisen ein anderes Risikoprofil auf.
Kardiovaskuläres System
Akuter THC-Konsum erhöht die Herzfrequenz und kann in seltenen Fällen kardiovaskuläre Ereignisse begünstigen, insbesondere bei ungewohnter oder hochintensiver körperlicher Belastung.[8] Personen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten dieses Risiko besonders ernst nehmen.
Verletzungsrisiko, Schlaf und Abhängigkeit
Weitere Risiken umfassen die Beeinträchtigung der Entscheidungsfähigkeit mit einem erhöhten Verletzungsrisiko bei Training unter Einfluss, mögliche negative Effekte auf die Schlafarchitektur bei chronischem Konsum (insbesondere eine Reduktion des REM-Schlafs) und das Abhängigkeitspotenzial bei regelmässigem Konsum.[7] Junge Sporttreibende unter 25 Jahren sind besonders vulnerabel, da sich das Gehirn in dieser Lebensphase noch in der Entwicklung befindet.
Praktische Schritte für Athletinnen und Athleten
- Rechtsstatus klären: THC-Gehalt des Produkts prüfen und die WADA-Liste bzw. den Antidoping-Schweiz-Online-Check konsultieren.
- Ärztliche Beratung einholen, insbesondere bei Vorerkrankungen, regelmässiger Medikamenteneinnahme oder anhaltenden Beschwerden.
- Bei CBD nur Produkte mit unabhängiger Drittanbieter-Zertifizierung (Informed Sport, NSF Certified for Sport) in Erwägung ziehen.
- Wettkampfphasen und Out-of-Competition-Zeiträume mit dem Verband oder Coach abstimmen.
- Individuelle Faktoren (Alter, Schwangerschaft, Vorerkrankungen, kardiovaskuläre Risiken) in die Entscheidung einbeziehen.
Wann zum Arzt
Ein Gespräch mit einem Sportmediziner oder einer Sportmedizinerin ist in mehreren Situationen empfehlenswert:
- Anhaltende kardiovaskuläre Symptome wie Herzrasen, Brustschmerz oder Synkopen, insbesondere im zeitlichen Zusammenhang mit Konsum oder Belastung.
- Atemwegssymptome bei inhalativem Konsum: chronischer Husten, Auswurf, Atemnot oder reduzierte Leistungsfähigkeit.
- Verdacht auf Abhängigkeit oder Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren oder zu reduzieren.
- Chronische Schmerzen, die das Training beeinträchtigen, um evidenzbasierte Alternativen zu besprechen.[1]
- Schlafprobleme, die die Erholung behindern.
- Fragen zur Vereinbarkeit von CBD-Produkten mit Anti-Doping-Regeln sowie zur Wechselwirkung mit anderen Medikamenten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist CBD im Sport erlaubt?
CBD wurde 2018 von der WADA-Verbotsliste gestrichen und ist damit grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthalten viele CBD-Produkte THC-Spuren, die zu einem positiven Dopingtest führen können. Nur unabhängig zertifizierte Produkte bieten relative Sicherheit.[9]
Ist CBD bei Schweizer Wettkampfsport erlaubt?
Ja, CBD selbst ist gemäss den WADA-Regeln und damit auch in den von Antidoping Schweiz und Swiss Olympic umgesetzten Vorgaben nicht verboten. Athletinnen und Athleten bleiben jedoch für jede Substanz in ihrem Körper verantwortlich. Bei Unsicherheit zu einem konkreten Produkt empfiehlt sich eine direkte Anfrage bei Antidoping Schweiz.[9]
Was ist der WADA-Cutoff für THC im Urin?
Der WADA-Schwellenwert für THC-Carbonsäure im Urin liegt bei 150 ng/ml. Dieser Wert wurde 2013 vom ursprünglich tieferen Grenzwert angehoben, um gelegentlichen Konsum ausserhalb der Wettkampfperiode in der Regel nicht zu erfassen. Die Detailregeln aktualisiert die WADA jährlich.[9]
Verbessert Cannabis die sportliche Leistung?
Nein. Die aktuelle Evidenz zeigt keine leistungssteigernden Effekte. THC kann sogar Reaktionszeit, Koordination und Ausdauerkapazität beeinträchtigen.[6]
Hilft CBD bei Muskelkater?
Präklinische Daten beschreiben entzündungshemmende Eigenschaften, klinische Studien bei Athletinnen und Athleten sind jedoch noch unzureichend. Die Evidenz reicht derzeit nicht für eine klare Aussage zur Wirksamkeit aus.[2]
Wie lange ist THC nach dem Konsum nachweisbar?
THC-Metaboliten können im Urin je nach Konsumhäufigkeit 3 bis 30 Tage nachweisbar sein. Bei regelmässigem Konsum kann die Nachweisbarkeit noch länger dauern. Der WADA-Schwellenwert von 150 ng/ml ist so gewählt, dass er in der Regel nur kürzlichen Konsum erfasst.[9]
Warum berichten Athletinnen und Athleten subjektive Vorteile, wenn die Studienlage dünn ist?
Subjektive Berichte und kontrollierte Studien sind unterschiedliche Datenquellen. Erfahrungsberichte sind wichtig, ersetzen aber keine randomisierten Untersuchungen. Ein Teil der berichteten Effekte kann auf Placebo, Erwartung, kontextuelle Faktoren oder begleitende Veränderungen im Lebensstil zurückgehen. Mehr und besser standardisierte Forschung ist notwendig.[2]
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Quellen
- 1 Hainline, B., et al. (2019). International Olympic Committee consensus statement on pain management in elite athletes. British Journal of Sports Medicine, 53(11), 667–699. →
- 2 McCartney, D., et al. (2021). Cannabidiol and sports performance: A narrative review of relevant evidence and recommendations for future research. Sports Medicine – Open, 7(1), 27. →
- 3 Docter, S., et al. (2020). Cannabis use and sport: A systematic review. Journal of Sports Sciences, 38(17), 1956–1964. →
- 4 Kasper, A. M., et al. (2020). High prevalence of cannabidiol use within male professional rugby union and league players. British Journal of Sports Medicine, 54(19), 1147–1153. →
- 5 Zeiger, J. S., et al. (2020). Cannabis use in active athletes: Behaviors related to subjective effects. Frontiers in Psychiatry, 11, 631. →
- 6 Kennedy, M. C. (2017). Cannabis: Exercise performance and sport. A systematic review. Journal of Science and Medicine in Sport, 20(9), 825–829. →
- 7 Ware, M. A., et al. (2018). Cannabis and the health and performance of the elite athlete. Clinical Journal of Sport Medicine, 28(5), 480–484. →
- 8 Burr, J. F., et al. (2021). Cannabis and athletic performance. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 18(1), 33. →
- 9 Huestis, M. A., et al. (2019). Cannabis in sport: Anti-doping perspective. Sports Medicine, 49(2), 133–152. →
- 10 Rojas-Valverde, D. (2021). Potential role of cannabidiol on sports recovery: A narrative review. Frontiers in Physiology, 12, 722550. →

