Veröffentlicht: 28. Mai 2026|Aktualisiert: 28. Mai 2026|Medizinisch geprüft von Dr. med. Jens Westphal
Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Von Dr. med. Natalia Eckstein-Halla

Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (FMH), Schweiz

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Er dient ausschliesslich der allgemeinen medizinischen Information und wurde nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand erstellt.

Inhaltsverzeichnis

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Beschwerden rund um den weiblichen Zyklus werden im medizinischen Alltag bis heute oft bagatellisiert. Dabei zählen das prämenstruelle Syndrom (PMS) und die Endometriose zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen überhaupt: Schätzungen zufolge erlebt rund jede dritte Frau im reproduktionsfähigen Alter relevante prämenstruelle Beschwerden, und etwa jede zehnte ist von einer Endometriose betroffen.[1] Trotzdem vergehen bis zur richtigen Diagnose oft Jahre.

Dieser Beitrag fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu beiden Krankheitsbildern zusammen, ordnet die Ursachen ein, beschreibt typische Symptome und gibt einen Überblick über die heute etablierten Therapieoptionen. Das Ziel ist eine sachliche Orientierung für betroffene Frauen in der Schweiz, ohne die Beschwerden zu relativieren und ohne unrealistische Versprechen.

Auf einen Blick

  • PMS betrifft bis zu 30 Prozent der menstruierenden Frauen, die schwerere Form PMDS (prämenstruelle dysphorische Störung) etwa 3 bis 8 Prozent.
  • Endometriose betrifft rund 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter; die durchschnittliche diagnostische Verzögerung liegt international bei 7 bis 10 Jahren.
  • Starke Regelschmerzen, die den Alltag spürbar einschränken, sind nicht normal und gehören gynäkologisch abgeklärt.
  • Für beide Krankheitsbilder existieren wirksame Therapien (Lebensstil, Verhaltenstherapie, Hormone, Schmerzmedikation, Operation); eine individuelle Beratung in einem spezialisierten Zentrum verbessert Verlauf und Lebensqualität deutlich.

Frauengesundheit in der Schweiz: Warum Validierung wichtig ist

Internationale Befragungen zeigen, dass Frauen mit zyklusbezogenen Schmerzen häufig erleben, dass ihre Beschwerden als «normal» eingeordnet oder psychisch erklärt werden, bevor eine somatische Ursache gesucht wird.[2] Eine grosse europäische Erhebung zur Endometriose dokumentierte eine mittlere Diagnoseverzögerung von etwa acht Jahren nach Symptombeginn.[3]

In der Schweiz hat diese Erkenntnis politisch Folgen gehabt: Seit 2024 ist die Endometriose von der Invalidenversicherung als Geburtsgebrechen für bestimmte Fälle anerkannt, was die Übernahme von Behandlungskosten bei betroffenen jungen Frauen erleichtert. Spezialisierte Endometriose-Zentren sind unter anderem an Universitätsspitälern (USZ, USB, Inselspital, CHUV, HUG) etabliert und ermöglichen eine interdisziplinäre Betreuung.

PMS und PMDS

Definition und Häufigkeit

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) bezeichnet eine wiederkehrende Kombination aus körperlichen und psychischen Beschwerden, die typischerweise in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) auftreten und mit dem Einsetzen der Menstruation oder kurz danach wieder verschwinden. Etwa 20 bis 30 Prozent der menstruierenden Frauen berichten von relevanten prämenstruellen Symptomen.[4]

Die schwerere Form ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS, englisch PMDD). Sie betrifft je nach Studie 3 bis 8 Prozent der Frauen, ist im internationalen Diagnosesystem DSM-5 als eigenständige psychische Störung gelistet und unterscheidet sich vom PMS durch die ausgeprägte affektive Symptomatik und die deutliche Beeinträchtigung der Alltagsfunktion.[5]

Pathophysiologie

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Die heute am besten belegte Hypothese geht von einer veränderten Empfindlichkeit des zentralen Nervensystems gegenüber den normalen zyklischen Schwankungen von Östrogen und Progesteron aus.[4] Eine zentrale Rolle spielen die Metaboliten des Progesterons, insbesondere Allopregnanolon, das auf den GABA-A-Rezeptor wirkt und Stimmung, Schlaf und Angsterleben beeinflusst.

Zusätzlich diskutierte Faktoren sind eine reduzierte serotonerge Transmission, Schilddrüsenfunktion, Schlafqualität, chronischer Stress und genetische Veranlagung. Die Symptome korrelieren also nicht mit absoluten Hormonspiegeln, sondern mit der individuellen Reaktion des Nervensystems auf normale Hormonschwankungen.

Symptomspektrum

Über 150 verschiedene Symptome wurden mit PMS in Verbindung gebracht. Klinisch relevante Beschwerden lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Affektiv: Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Angst, innere Anspannung, Stimmungsschwankungen.
  • Somatisch: Brustspannen (Mastodynie), Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Heisshunger.
  • Kognitiv und sozial: Konzentrationsstörungen, sozialer Rückzug, verminderte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

Entscheidend für die Diagnose ist das zyklische Muster: Die Beschwerden treten in der Lutealphase auf und sistieren in der Follikelphase. Ein prospektives Symptomtagebuch über mindestens zwei vollständige Zyklen ist dafür der Goldstandard.

PMS oder PMDS? Eine Abgrenzung

Merkmal PMS PMDS
Häufigkeit 20 bis 30 Prozent der Frauen. 3 bis 8 Prozent der Frauen.
Leitsymptome Körperlich und psychisch gemischt, mässig ausgeprägt. Schwere affektive Symptome (Depression, Reizbarkeit, Angst), oft mit dem Gefühl der Überforderung.
Alltagsfunktion Belastend, aber meist nicht alltagsverhindernd. Deutliche Beeinträchtigung von Arbeit, Beziehungen und Familie.
Diagnose Klinisch, Symptomtagebuch hilfreich. DSM-5-Kriterien, prospektive Dokumentation über 2 Zyklen erforderlich.
Therapieschwerpunkt Lebensstil, ggf. hormonelle Kontrazeptiva. SSRIs (kontinuierlich oder lutealphasen-begrenzt), KVT, hormonelle Optionen.

Therapieoptionen

Die Behandlung orientiert sich am Schweregrad und an den führenden Symptomen. Ein gestuftes Vorgehen ist sinnvoll:

Lebensstil und Selbstmanagement. Regelmässige aerobe Bewegung, ausreichend Schlaf, Reduktion von Koffein und Alkohol in der Lutealphase sowie eine ausgewogene Ernährung können die Symptomschwere messbar verringern. Für Kalzium (1’200 mg pro Tag) und Vitamin B6 gibt es kontrollierte Studien mit moderater Evidenz, für Magnesium und Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) bestehen Hinweise auf einen Nutzen bei leichteren Verläufen.[6]

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Mehrere randomisierte Studien zeigen eine Wirksamkeit der KVT bei PMS und PMDS, vergleichbar mit medikamentösen Optionen, mit dem Vorteil länger anhaltender Effekte nach Therapieende.[6]

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs). SSRIs sind bei PMDS die medikamentöse First-Line-Therapie. Eine Cochrane-Übersicht bestätigt eine deutliche Symptomreduktion sowohl bei kontinuierlicher Einnahme als auch bei einer auf die Lutealphase begrenzten Anwendung.[7] Häufig eingesetzt werden Sertralin, Fluoxetin und Escitalopram.

Hormonelle Kontrazeptiva. Kombinierte orale Kontrazeptiva, insbesondere Präparate mit Drospirenon im verkürzten oder kontinuierlichen Schema, sind bei PMDS und schwerem PMS wirksam. Sie unterdrücken den Eisprung und glätten die hormonelle Schwankungsbreite.[6] Die Auswahl erfolgt individuell unter Berücksichtigung des thromboembolischen Risikos.

Weitere und ergänzende Therapieoptionen. In schweren Fällen, die auf die obigen Massnahmen nicht ausreichend ansprechen, kommen GnRH-Analoga mit Add-back-Therapie infrage. Ergänzende Verfahren wie Akupunktur, Yoga oder Achtsamkeitstraining werden von vielen Frauen subjektiv als hilfreich erlebt; die Studienevidenz ist heterogen, eine individuelle Erprobung im Rahmen eines Gesamtkonzepts ist vertretbar.

Wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist

Eine ärztliche Vorstellung ist sinnvoll, wenn die prämenstruellen Beschwerden Arbeit, Beziehungen oder die Lebensqualität spürbar einschränken, wenn Selbstmassnahmen nach drei bis vier Zyklen nicht ausreichen oder wenn depressive Symptome, Suizidgedanken oder eine deutliche Verschlechterung einer vorbestehenden psychischen Erkrankung in der Lutealphase auftreten.

Endometriose

Definition und Pathophysiologie

Endometriose ist eine chronische, östrogenabhängige Erkrankung, bei der Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausserhalb der Gebärmutterhöhle auftritt, am häufigsten am Beckenperitoneum, an den Ovarien (Endometriome) sowie in den uterosakralen Bändern. Tief infiltrierende Formen können Darm, Blase, Harnleiter und seltener das Zwerchfell betreffen.[1]

Die Krankheit ist häufiger, als lange angenommen: Etwa 10 Prozent der Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind betroffen, in spezialisierten Schmerz- und Sterilitätssprechstunden liegt der Anteil deutlich höher.[8]

Pathophysiologisch werden mehrere Mechanismen diskutiert: die retrograde Menstruation mit Ansiedlung von Endometriumzellen ausserhalb des Uterus, eine veränderte Immunabwehr, lokale Östrogenproduktion durch die Aromatase im ektopen Gewebe, eine Progesteronresistenz sowie genetische Komponenten. Das Krankheitsbild ist entzündlich, neuroangiogen und systemisch und nicht auf eine reine Lokalstörung im kleinen Becken zu reduzieren.[8]

Symptomatik

Die Symptomschwere korreliert nur schlecht mit dem anatomischen Ausmass der Endometriose; auch kleine Herde können starke Schmerzen verursachen, während ausgedehnte Befunde mitunter zufällig entdeckt werden. Typische Beschwerden umfassen:

  • Dysmenorrhoe (starke Regelschmerzen), die mit Standardanalgetika nicht ausreichend kontrolliert werden.
  • Chronische Unterbauchschmerzen, häufig zyklusunabhängig.
  • Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), besonders bei tief infiltrierender Endometriose im Bereich der uterosakralen Bänder.
  • Dyschezie und Dysurie: schmerzhafter Stuhlgang oder Wasserlassen, oft menstruationsabhängig.
  • Infertilität: rund 30 bis 50 Prozent der Patientinnen mit Endometriose haben einen unerfüllten Kinderwunsch.[8]
  • Chronische Müdigkeit, Schlafstörungen und eine erhöhte Komorbidität mit Angst und Depression durch jahrelangen Schmerz.

Diagnostische Verzögerung: 7 bis 10 Jahre

In Europa und Nordamerika dokumentieren mehrere Studien konsistent eine durchschnittliche Verzögerung zwischen Symptombeginn und Diagnose von 7 bis 10 Jahren.[3] Ursachen sind die Normalisierung von Regelschmerzen, unspezifische Symptome, fehlende einfache Biomarker und das Fehlen sichtbarer Befunde in einer Routineuntersuchung. Die ESHRE-Leitlinie 2022 betont, dass die klinische Verdachtsdiagnose ausreicht, um eine empirische Therapie einzuleiten, eine Laparoskopie ist nicht mehr zwingend Voraussetzung für die Behandlung.[1]

Diagnostik

Die Diagnostik ist gestuft:

  1. Anamnese und gynäkologische Untersuchung: Schmerzcharakter, Zyklusbezug, sexualanamnestische Hinweise, Druckschmerz im Douglas-Raum, tastbare Knoten.
  2. Transvaginaler Ultraschall: Methode der ersten Wahl zur Erkennung von Ovarialendometriomen und Hinweisen auf tief infiltrierende Befunde, idealerweise durch eine erfahrene Untersucherin.
  3. MRT: ergänzend bei komplexen Befunden und vor operativen Eingriffen, insbesondere bei Verdacht auf Darm- oder Harnwegsbeteiligung.
  4. Laparoskopie: historischer Goldstandard. Sie erlaubt die direkte Visualisierung, eine histologische Sicherung und im selben Eingriff die Sanierung der Herde. Ihre Indikation wird heute restriktiver gestellt und richtet sich nach Therapieziel und Beschwerdebild.[1]

Ein zuverlässiger Blut-Biomarker für die Diagnose besteht aktuell nicht. CA-125 kann erhöht sein, ist aber zur Diagnose ungeeignet.

Stadien (rASRM-Klassifikation)

Die klassische Einteilung erfolgt nach der revidierten Klassifikation der American Society for Reproductive Medicine (rASRM). Sie beschreibt Ausdehnung und Lokalisation, nicht die Schmerzintensität.

Stadium Bezeichnung Befund
I Minimal Wenige oberflächliche Herde, keine relevanten Adhäsionen.
II Mild Mehrere oberflächliche Herde, beginnende Verwachsungen.
III Moderat Tiefere Herde, kleinere Endometriome, ausgedehnte Adhäsionen.
IV Schwer Grosse Endometriome, tief infiltrierende Herde, ausgeprägte Verwachsungen, Organbeteiligung möglich.

Wichtig ist: Das Stadium sagt wenig über das individuelle Schmerzerleben aus. Eine Stadium-I-Endometriose kann mit erheblichen Beschwerden einhergehen, während eine Stadium-IV-Endometriose im Einzelfall lange unauffällig bleiben kann.

Therapie

Die Behandlung ist individualisiert und richtet sich nach Symptomatik, Kinderwunsch, Lebensphase und Vorbehandlungen. Sie ruht auf drei Säulen.

1. Schmerzmanagement. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind oft die erste Stufe bei zyklischen Schmerzen. Bei chronischen Schmerzen werden zusätzlich multimodale Konzepte eingesetzt: physiotherapeutische Beckenbodenbehandlung, Schmerzpsychologie, gegebenenfalls neuropathische Schmerzmedikation. Ein erfahrenes interdisziplinäres Team ist hier entscheidend.[1]

2. Hormonelle Suppression. Die Reduktion der zyklischen Östrogenexposition ist eine zentrale Strategie. Eingesetzt werden:

  • Kombinierte orale Kontrazeptiva im Langzyklus oder kontinuierlich.
  • Gestagene (z. B. Dienogest), oral oder als Levonorgestrel-IUS.
  • GnRH-Analoga mit Add-back-Therapie bei refraktären Verläufen.
  • GnRH-Antagonisten (z. B. Relugolix-Kombinationen), in Europa zunehmend verfügbar.

Eine hormonelle Therapie wirkt symptomlindernd und kann das Wachstum der Herde bremsen, sie heilt die Endometriose jedoch nicht.[8]

3. Operation. Die operative Entfernung der Endometrioseherde (Exzision oder Ablation) kommt bei Versagen der konservativen Therapie, bei Endometriomen, tief infiltrierender Endometriose mit Organbeteiligung sowie bei Kinderwunsch zum Einsatz. Die laparoskopische Exzision ist dabei der Goldstandard.[1] Die Wahl des Zentrums ist relevant: Komplexe Fälle gehören in zertifizierte Endometriose-Zentren mit interdisziplinärer Expertise.

Reproduktionsmedizin. Bei unerfülltem Kinderwunsch wird das Vorgehen individuell festgelegt. Je nach Alter, Stadium und Ovarialreserve können operative Sanierung, kontrollierte ovarielle Stimulation oder eine In-vitro-Fertilisation sinnvoll sein. Eine frühzeitige Vorstellung in einem Kinderwunschzentrum verhindert verlorene Zeit.

Lebensqualität und ergänzende Therapieoptionen

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, deren Belastung über den körperlichen Schmerz hinausgeht. Studien zeigen häufige Einschränkungen in Beruf, Partnerschaft und Familienplanung sowie eine erhöhte Rate an Angst- und depressiven Symptomen.[2] Ergänzende Therapieoptionen wie Beckenbodenphysiotherapie, Yoga, Akupunktur, antiinflammatorische Ernährungsanpassungen und psychotherapeutische Unterstützung können das Gesamtkonzept sinnvoll ergänzen. Die Auswahl sollte im Gespräch mit der behandelnden Gynäkologin oder einem spezialisierten Zentrum erfolgen.

Wann zum Arzt

Eine zeitnahe gynäkologische Abklärung ist insbesondere in folgenden Situationen ratsam:

  • Starke Regelschmerzen, die mit Standardanalgetika nicht beherrschbar sind und Schule, Studium oder Arbeit regelmässig verhindern.
  • Starke oder verlängerte Menstruationsblutungen (Wechsel der Hygieneprodukte stündlich, Blutungsdauer über 7 Tage, grosse Koagel).
  • Akute, neu aufgetretene Unterbauchschmerzen, insbesondere mit Fieber, Erbrechen oder Schmerzen beim Wasserlassen.
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen, vor allem im Zusammenhang mit der Menstruation.
  • Unerfüllter Kinderwunsch seit mehr als 12 Monaten (ab 35 Jahren bereits nach 6 Monaten).
  • Zyklusabhängige depressive Episoden, Suizidgedanken oder eine deutliche Stimmungsverschlechterung in der Lutealphase.
  • Zwischenblutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder postmenopausale Blutungen.

Erste Anlaufstelle ist in der Schweiz die niedergelassene Gynäkologin oder der niedergelassene Gynäkologe (FMH-Gynäkologie und Geburtshilfe). Bei Verdacht auf Endometriose ist die Überweisung in ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum (z. B. an Universitätsspitälern wie USZ, USB, Inselspital, CHUV, HUG) sinnvoll. Die Krankenkassen übernehmen in der Schweiz Abklärung und Therapie im Rahmen der Grundversicherung; bestimmte Aspekte der Endometriose sind seit 2024 zusätzlich durch die Invalidenversicherung anerkannt.

Praktische Schritte für den Alltag

  • Ein Symptomtagebuch über mindestens zwei vollständige Zyklen führen (Schmerzort, Intensität auf einer Skala von 0 bis 10, Begleitsymptome, Medikamente). Apps wie die der Endometriose-Vereinigung Schweiz oder schlichte Notizen genügen.
  • Vor einem Arzttermin die Fragen schriftlich vorbereiten und eine Vertrauensperson mitnehmen, falls hilfreich.
  • Bei Verdacht auf Endometriose gezielt nach einer Praxis oder einem Zentrum mit Endometriose-Schwerpunkt suchen; die Endometriose-Vereinigung Schweiz pflegt eine Adressliste.
  • Selbsthilfegruppen und Peer-Austausch nutzen (online oder regional); sie entlasten und vermitteln praktisches Wissen.
  • Lebensstilfaktoren als Routine etablieren: regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, Stressmanagement. Diese wirken bei beiden Erkrankungen unterstützend.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie unterscheidet sich PMS von einer normalen Stimmungsschwankung vor der Periode?

Entscheidend sind das zyklische Muster (Beschwerden in der Lutealphase, Rückgang mit Beginn der Menstruation) und die Schwere. Wenn die Symptome Alltag, Arbeit oder Beziehungen regelmässig beeinträchtigen, spricht man von relevantem PMS oder, bei ausgeprägten affektiven Symptomen, von PMDS. Ein prospektives Symptomtagebuch über zwei Zyklen hilft bei der Unterscheidung.[6]

Hilft Ernährung bei PMS und Endometriose?

Für PMS gibt es moderate Evidenz für eine Symptomverbesserung durch Reduktion von Koffein, Alkohol und stark verarbeiteten Lebensmitteln sowie durch eine ausreichende Kalziumzufuhr. Bei Endometriose deuten Beobachtungsstudien auf einen möglichen Nutzen einer pflanzenbetonten, entzündungsarmen Ernährung hin; randomisierte Evidenz ist begrenzt. Ernährung ist eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztlich begleitete Therapie.[6]

Wann ist eine Endometriose-Operation sinnvoll?

Eine operative Sanierung wird empfohlen, wenn die hormonelle und schmerztherapeutische Behandlung die Beschwerden nicht ausreichend kontrolliert, bei Endometriomen ab einer bestimmten Grösse, bei tief infiltrierender Endometriose mit Organbeteiligung sowie häufig im Rahmen der Kinderwunschplanung. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit einem zertifizierten Endometriose-Zentrum getroffen werden.[1]

Verhindert eine Endometriose immer eine Schwangerschaft?

Nein. Etwa die Hälfte der Frauen mit Endometriose wird auf natürlichem Weg schwanger. Bei unerfülltem Kinderwunsch erhöhen jedoch sowohl operative Massnahmen als auch reproduktionsmedizinische Verfahren die Chancen. Eine frühzeitige Beratung in einem Kinderwunschzentrum ist sinnvoll.[8]

Sind SSRIs bei PMDS sicher und wie schnell wirken sie?

SSRIs sind bei PMDS gut untersucht und gelten als wirksame und in der Regel gut verträgliche First-Line-Therapie. Im Gegensatz zur Depression tritt die Wirkung bei PMDS oft schon nach wenigen Tagen ein, was eine auf die Lutealphase begrenzte Einnahme möglich macht. Auswahl, Dosierung und Verlaufskontrolle gehören in ärztliche Hand.[7]

Wie finde ich in der Schweiz eine Spezialistin für Endometriose?

Die Endometriose-Vereinigung Schweiz (endo-help.ch) führt eine Liste anerkannter Spezialistinnen, Spezialisten und Zentren. An den meisten Universitätsspitälern (USZ, USB, Inselspital, CHUV, HUG) bestehen spezialisierte Endometriose-Sprechstunden. Eine Überweisung erfolgt in der Regel über die niedergelassene Gynäkologin; die Krankenkasse übernimmt die Abklärung und Therapie im Rahmen der Grundversicherung.

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8 Medizinisch Geprüfte Quellen

Quellen

  1. 1 Becker, C. M., Bokor, A., Heikinheimo, O., et al. (2022). ESHRE guideline: endometriosis. Human Reproduction Open, 2022(2), hoac009.
  2. 2 Agarwal, S. K., Chapron, C., Giudice, L. C., et al. (2018). Clinical diagnosis of endometriosis: a call to action. BMJ, 361, k2168.
  3. 3 Nnoaham, K. E., Hummelshoj, L., Webster, P., et al. (2012). Reproductive and hormonal factors among women presenting with endometriosis. Human Reproduction, 27(12), 3412–3416.
  4. 4 Yonkers, K. A., O’Brien, P. M. S., & Eriksson, E. (2008). Premenstrual syndrome. The Lancet, 371(9619), 1200–1210.
  5. 5 Epperson, C. N., Steiner, M., Hartlage, S. A., et al. (2012). Premenstrual dysphoric disorder: evidence for a new category for DSM-5. American Journal of Psychiatry, 169(5), 465–475.
  6. 6 American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). (2023). Management of premenstrual disorders: ACOG Clinical Practice Guideline No. 7. Obstetrics & Gynecology, 141(6), 1271–1279.
  7. 7 Marjoribanks, J., Brown, J., O’Brien, P. M. S., & Wyatt, K. (2013). Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2013(6), CD001396.
  8. 8 Zondervan, K. T., Becker, C. M., & Missmer, S. A. (2020). Endometriosis. New England Journal of Medicine, 382(13), 1244–1256.
Dr. med. Jens Westphal

Dr. med. Jens Westphal

Praktischer Arzt (FMH), Schweiz

Dr. med. Jens Westphal ist als Praktischer Arzt (FMH) Teil des medizinischen Expertenteams von Canna Viva, der führenden Schweizer Plattform für medizinisches Cannabis. In seiner Rolle erstellt er medizinisch geprüfte Inhalte für die Website und begleitet Patientinnen und Patienten digital bei der Therapie mit Medizinalcannabis.

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Geprüft: May 28, 2026

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